LESEDAUER: Knapp 10 min. je nachdem wie ausführlich 😉

Wie lernt man eigentlich konstruktiv zu streiten?


Wir müssen immer alles „ausdiskutieren“…Reden, reden, reden ist natürlich die einzig langfristig wirksame Strategie, um Konflikte zu lösen oder aber im Vorfeld gar nicht erst entstehen zu lassen.
Das ist doch das Allerwichtigste und dies gilt insbesondere für recht temperamentvolle Beziehungen. Allerdings hat auch „Reden“ seine Grenzen und zwar dann, wenn man sich ständig im Kreise dreht.

Es liegt in der Natur des Menschen, sich mit jemandem zu messen und zu vergleichen. „Rivalität“ gehört genauso zu unserem „Dasein“ dazu, wie „Freundschaft“. Im Laufe der Evolution zeigte sich, dass zu kämpfen und zu gewinnen, unserem Überleben dient: Es liegt also in unseren evolutionären Wurzeln.

In den 60er Jahren schrieb mir mein Vater noch in das damals übliche „Poesie-Album“: „DAS LEBEN IST EIN KAMPF! KÄMPFE! – „SIEGE!“ das waren noch Zeiten…ich hatte kürzlich in dem Büchlein geblättert…an dieser Einstellung hat sich ja wohl heute doch einiges geändert, wir denken doch mehr gemeinschaftlich, oder?

Wir sollten viel Fingerspitzengefühl einsetzen, wenn wir anderen ordentlich auf die Zehen treten wollen.Zitat: © Ernst Ferstl (*1955), österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker

Konstruktiv?

Die meisten von uns haben nie gelernt konstruktiv zu streiten. Kindern wird das Streiten meist schon früh verboten und sie werden dafür oft sogar bestraft. Dabei bietet sich schon bei Kindern die Chance, ihnen konstruktives Streiten früh zu vermitteln, um z.B. eine aufgestaute Unzufriedenheit zu klären. Jeder will aber doch immer der Beste sein. Dies führt natürlich dann auch oft zum erbitterten Streit untereinander.
Allerdings ist konstruktiv zu streiten selten möglich, wenn Beteiligte persönlich angegriffen werden. 

Das alles ist also gar nicht so einfach. Schließlich leben wir in Deutschland heutzutage in der absolut freiesten Gesellschaft, die wir jemals gekannt haben. Uns ist (fast) alles erlaubt, fast alles darf gesagt werden. In einer Welt, in der es wenig Verbote und Tabus im zwischenmenschlichen Bereich mehr gibt, scheint eigentlich kaum etwas mehr übrig zu sein, über das man sich noch streiten müsste?


„Es erfordert mehr Mut, seine Ansicht zu ändern, als an ihr festzuhalten“
Zitat: Friedrich Hebbel (1813-1863)  deutscher Dramatiker und Lyriker.


Die Gratwanderung

Wenn aber doch einmal etwas Strittiges auftaucht, dann ist der Umgang damit oft eine „Gratwanderung“: Wenn ein Streit ausufert, wenn es dann plötzlich heraus muss und alles auf den Tisch kommt, führt dies unvermeidlich zu unbändigem Zorn, zu Wut und Frust. Umgekehrt kann sich aber auch eine absolute Sucht nach Harmonie bis zum totalen Fiasko steigern, die heftige, andauernde Streitlust ist meist aber genauso „desaströs“.
Das Paradoxe daran ist, dass das Streitbedürfnis oft zuhause in den eigenen vier Wänden richtig krass ausgelebt wird, während man bei echten Problemen z.B. im Berufsleben gern auf Distanz geht und auf einem sicheren und unverbindlicheren Standpunkt verharrt, natürlich aus Angst vor Konsequenzen.


„Es gibt ein einfaches Mittel, das helfen kann, einander besser zu verstehen: ab und zu die Plätze tauschen, um im Anderen uns selbst und in uns selbst den Anderen zu entdecken“. Zitat: Jochen Mariss (*1955) Autor und Fotograf.

AUTSCH! Nichts ist gefährlicher, als zwei Menschen auszusöhnen. Sie zu entzweien, ist viel sicherer und leichter. Zitat: „Jean Paul“ (1763-1825) berühmter Publizist und Pädagoge (eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, war ein deutscher Schriftsteller). Sein Werk steht literaturgeschichtlich zwischen den Epochen der Klassik und Romantik.

Verständnis?

„Du willst mich einfach nicht verstehen!“: Dem Anderen nur geduldig zuzuhören, fällt vielen Menschen extrem schwer. Wenn es zwischen Partnern dann erst einmal so richtig kracht, ist es noch viel schwieriger. Doch gerade in einer so emotional aufgeladenen Situation ist es besonders wichtig, wirklich verstehen zu wollen, was in dem anderen konkret vorgeht. Es fallen meist heftige Vorwürfe, böse Worte, die man sonst niemals sagen würde, sie kommen einfach unbedacht oft über die Lippen. Man vergisst sich in seinem Zorn selbst und bereut es später zutiefst. Der Angegriffene denkt vielleicht bei sich: „So erfahre ich jetzt endlich einmal wenigstens, was der Typ so von mir hält“ und kontert entsprechend. Ein Wort gibt das andere, manches hätte man besser nicht ausgesprochen.

„Der Horizont vieler Menschen ist wie ein Kreis mit Radius Null. Und das nennen sie dann ihren Standpunkt“. Zitat: „Albert Einstein“



„Wer Kritik übel nimmt, hat etwas zu verbergen“ . Zitat: Helmut Schmidt (1918-2015) war ein deutscher Politiker der SPD. Von 1974 bis 1982 war er als Regierungschef einer sozialliberalen Koalition nach dem Rücktritt Willy Brandts der fünfte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Aus heiterem Himmel?

Streiten kann jeder immer trefflich und jeden von uns aus heiterem Himmel treffen. Daraus lernen könnte man später auch, wenn man nur wollte… Das wichtigste Element einer konstruktiven Streitkultur ist der gegenseitige Respekt aller Beteiligten
Wie aber streitet man eigentlich so, dass weder die Beziehungen zu anderen noch die eigene Gesundheit darunter leiden? Wie laut darf man überhaupt werden? Und kann man gutes Streiten tatsächlich noch später lernen, auch wenn man schon als Kind schlechte Erfahrungen damit gemacht hat?


Strittige Themen

Konflikte gehören immer zum Leben dazu, aber nicht jede Art Streitigkeiten auszutragen ist konstruktiv und erfordert also Einiges an Charakter von den Streithammeln.
Bloß nicht zum Partner sagen: „Wie kann man nur so blöd sein, das Handy zu vergessen!“ Lieber eine Ich-Botschaft senden: „Mein Lieber, schade, dass du das Handy vergessen hast mitzunehmen…ach, ich ärgere mich einfach, weil ich im Urlaub gerne mit XY telefonieren möchte und das jetzt nicht möglich ist.“ Schmoll… Keiner sagt hier, das sei leicht, so „cool“ zu reagieren!
Dabei ist es doch so einfach: 😉 „Wenn einer nicht will, können zwei sich nicht streiten“ (Sprichwort). 😉


Wenn der König die Dame weg kickt…ist das Spiel noch lange nicht aus!

Bedürfnisse…Gefühle…Respekt

Wenn ich also konstruktiv streite, bedeutet das, dass ich mir über meine Gefühle und Bedürfnisse „vorher“ klar werden muss und die der Anderen auch respektieren muss. Regeln für „faires“ Streiten (die man sich selbst setzen muss!) können helfen, rücksichtsvoller miteinander umzugehen. „Die sachliche Auseinandersetzung mit Problemen“ sollte unbedingt im Vordergrund stehen. Polemik muss unbedingt ein Tabu sein.
Richtig streiten heißt: HART ABER FAIR! 😉
Wer lernt, sich richtig zu streiten, schult auch andere soziale Fähigkeiten wie „Empathie“, (also sich in sein Gegenüber einzufühlen) oder „Zuhören“ zum Beispiel und „Ich-Botschaften“ zu senden – anstatt Vorwürfe (Du-Botschaften) zu machen.


Der einsame „Streiter“ kämpft meist auf verlorenem Posten. „Ein Standpunkt wird langsam unbequem, wenn man immer darauf steht“. Zitat: Alfred Polgar (1873-1955) war ein österreichischer Schriftsteller und Aphoristiker.

„Wehe dem Menschen, der verstockt auf einem Standpunkt steht! Er wächst darauf fest, und seinem Geiste knicken alle Schwingen ab„. Zitat: Erich Mühsam (1878-1934) deutscher Schriftsteller und Anarchist

Ein Leitfaden?

Ein Leitfaden wäre sicherlich hilfreich: Ehrlich sein. Zuhören: Den Anderen ausreden lassen. Offen sein: Alles ansprechen. Respekt: Auch wenn man anderer Meinung ist, die andere Meinung zur Kenntnis nehmen. Beschreiben: Nicht bewerten, was einen ärgert. Sachlichkeit: Nicht den anderen beleidigen. Kompromisse finden: Ich wünsche mir, dass….Verzeihen können: Wenn sich jemand entschuldigt.


„Die Menschen streiten im Allgemeinen nur deshalb, weil sie nicht diskutieren können“. – Zitat: G. K. Chesterton (1874 – 1936), Gilbert Keith Chesterton, englischer Kriminalautor, Journalist, Erzähler und Essayist.

„Gewiss, jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern; das Recht aber, diese Meinung mit der Wahrheit zu identifizieren und für den Andersdenkenden dann sog. Scheiterhaufen zu errichten, das hat er nicht“. Zitat: Hedwig Dohm (1831–1919), deutsche Schriftstellerin

Meine Meinung…deine Meinung…

„Du nervst! Sag mal, sehe ich aus wie eine Bratwurst oder warum gibst Du immer Deinen Senf dazu“? Unbedingt verzichten auf sog. Killerphrasen und den Gesprächspartner nicht verächtlich zu behandeln.

„Wer schwere Geschütze auffährt, der gerät selbst ins Kreuzfeuer der Kritik“. © Almut Adler (*1951), Fotografin, Autorin, Lyrikerin und Aphoristikerin

„Ich habe das Problem, dass“…dies hilft oft zu deeskalieren…Auch „der TON macht die Musik“…Eine für die eigene Konfliktkompetenz sehr förderliche Einstellung ist unsere mentale „sensitive“ Haltung, auch wenn`s schwer fällt…Es hilft oft wirklich, sich in sein Gegenüber „hineinzudenken“.


„ICH rede NIE, NIE- niemals wieder mit dir…“ 😉 Antwort: Aber ICH möchte vielleicht doch wieder mit dir reden? 😉

Die wichtigen Ich-Botschaften

„Ich-Botschaften“ wirken meistens deeskalierend, wenn sie „positive“ Eindrücke, Gefühle, und Bedürfnisse ausdrücken.
Nicht immer aber löst sich solch ein Streit auch in gegenseitigem guten Einverständnis auf. Manchmal müssen Streitende auch anerkennen, dass ihre Positionen einfach „unvereinbar oder unversöhnlich“ sind.
Trotzdem „könnte auch ein solcher Streit produktiv sein“, nämlich dann, wenn die „Streithähne“ lernen, die Haltung des Anderen zu respektieren oder zu akzeptieren“, selbst wenn sie diese für falsch einschätzen.
Das wäre dann echte Toleranz. Wow!
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ALTES MOTTO „Lasst den Tiger aus dem Tank“: Es gab früher in den 60er Jahren die wildesten Politikszenen z. B. im Deutschen Bundestag:
Herbert Wehner und Franz Josef Strauß“ zankten sich früher „bis zur Weißglut“, beide mit hochroten Köpfen.... „Da war dann aber auch die Katze aus dem Sack“, jeder wusste was Sache ist.

Hatte nicht Nikita „Chruschtschow“ auf der 15. UNO-Vollversammlung 1960 drohend mit seinem rechten Schuh in der Hand gefuchtelt, als er auf dem Rednerpult stand? Chruschtschow war ein temperamentvoller Politiker: Er beschimpfte lauthals die Delegierten. So erlangte „der russische Staatschef“ nach seinem Auftritt Berühmtheit als der Mann, der in der UNO drohend mit seinem Schuh auf den Tisch eingedroschen haben soll...



Ach ja…Politiker?

Heute wird dort im „Plenum“ eher „um den heißen Brei herumgeredet“, es fehlen diese wichtigen leidenschaftlichen Debatten. Von diesen alten Streithähnen „Wehner und Strauß“ könnten eigentlich die Nachfolger so einiges lernen.

So hörte ich kürzlich einen Politiker sagen: „Die Abgeordneten von heute funktionieren alle perfekt. Aber… dass sie wirklich für etwas brennen, ist selten. Ich weiß nicht, ob junge Politiker heute überhaupt noch wissen, was eine „echte Streitkultur“ ist.“
„Politiker reden heute oft nur noch ganz abstrakt, um möglichst keine Wählerschicht zu verschrecken“ meinte der Tübinger Rhetorik-Professor Joachim Knape. Was sich Regierungs- und Oppositions-Fraktionen im Bundestag zu sagen hätten, sei inzwischen völlig vorhersehbar.

Die angelsächsische Kultur, die zwar insgesamt mehr Akzeptanz für menschliche Fehler zeigt, ist aber für uns hier eher extrem befremdlich. Die Politiker „im House of Commons“ schreien sich an, beschimpfen sich teilweise mit unflätigen Worten und höhnischem Gelächter.
Das ist aber alles für sie total normal, da es eben eine jahrhundertealte englische TRADITION ist.
Bei uns wäre dies absolut undenkbar. Oh, my god…So shocking….God heavens!


Besser auseinanderfliehn in Einigkeit / Als immerdar beisammen sein mit Zank und Streit“.
Zitat: Carl Spitteler (1845-1924) war ein Schweizer Dichter und Schriftsteller, Kritiker und Essayist. Er erhielt 1919 den Nobelpreis für Literatur und ist damit der einzige gebürtige Schweizer Literaturnobelpreisträger.

Alles muss raus, oder?

Aber: Wie lernen wir eigentlich am besten, mit Streitereien besser umzugehen? Nehmen wir einmal an, ZWEI streiten sich einmal wieder trefflich:
Anschreien geht immer. Möglichst so laut, dass der Gegner schon ganz blass nach Luft schnappt. Kinder können das übrigens in voller Perfektion, ebenso viele Talkshow-Politiker und manchmal der eigene Chef.
Dann könnte man am besten noch theatralisch abhauen, wer’s richtig mag, ordentlich auch mit lautem Türenknallen…und „ON TOP“ (als Frau!) Tränen fließen lassen…WOW!

„So, jetzt habe ich es denen endlich einmal gezeigt, irgendwie geht es mir danach deutlich besser“, haaah…sooo, oder?
Eigentlich haben wir normalerweise doch eher alle Angst vor dem Streiten, es ist uns meist superpeinlich z. B. vor allem in der Öffentlichkeit, auch uns „Zuhörern“… Uns ist das alles doch wirklich sehr unangenehm, wir sollten vielleicht doch lieber immer höflich bleiben und besser alles herunterschlucken. Und noch schlimmer finden wir, wenn auch noch fremde Leute (oder die Nachbarn!) dies alles mitbekommen, wie peinlich...

RÜCKSICHT AUF ANDERE SICHTWEISEN NEHMEN
Gerade, wenn Du meinst, Du hast recht…glaube ja nicht, dass ICH falsch liege…Du hast meine Ansicht nicht aus MEINER Perspektive gesehen…

Alles runterschlucken…Streit vermeiden?

Als richtig gilt anscheinend, so weit wie möglich besser mal jeglichen Streit von vornherein unbedingt zu vermeiden.
Super! Ob das so gesund ist, alles herunterzuschlucken? Unser Körper hat ein sehr empfindliches Balance-System. Streit, Stress und psychische Belastungen „schlagen uns auf den Magen“. So können hier schnell z.B. „Bauchschmerzen“, Sodbrennen und viele andere unangenehme Beschwerden entstehen. Manch einer sagt schon mal: „Oh, das traue ich mich nicht, das macht mir jetzt schon Bauchschmerzen„…
Gesteuert wird unser gesamter Verdauungsprozess nämlich vor allem von unserem Enteralen-Nerven-System (ENS), welches manchmal auch unabhängig von unserem Gehirn arbeiten kann. Von größter Bedeutung ist hier die Verknüpfung mit unserer obersten Steuerzentrale (ZNS): Wir wissen, dass Gehirn und Verdauungstrakt wichtige Informationen untereinander austauschen und sich immer exakt aufeinander abstimmen. Es gibt also eine „indirekte“ Beeinflussung von Nervenimpulsen aus dem Darm, die unsere Emotionen auch ebenso indirekt beeinflussen können…Manch einer kennt das Problem…Ein spannendes Thema. Nun, das Weitere sprengt hier den Rahmen, dies war nur ein kurzer medizinischer Exkurs.


„Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennenlernen, als im Gespräch in einem Jahr“. ZITAT: Platon (427 – um 348 v. Chr.), lateinisch Plato, griechischer Philosoph, Schüler des Sokrates.

Die richtige Streitkultur erlernen?

Ach herrjeh…wenn wir immer alles herunterschlucken und klein beigeben würden, dann könnten wir ja vielleicht überhaupt gar nicht mehr merken, wie gerade eine unserer wichtigsten Kulturtechniken für immer verloren ginge:
„Die gepflegte, zivilisierte STREITKULTUR“!

Wir alle brauchen diese doch gemeinsam unbedingt und müssen das „Streit-Gen“ (wieder) in uns aktivieren! 😉

„Rien ne va plus“ ? Nichts geht mehr, ein Begriff aus dem „Roulette“ unseres Lebens.


Die Deutschen sind immer noch auf der Suche nach einer guten „Leit-Kultur des konstruktiven Streitens“. Politiker, Wirtschaftsexperten und Startup-Gurus fragen sich gleichermaßen: „Wie lernen wir eigentlich am besten, zivilisiert mit „Meinungsverschiedenheiten“ umzugehen, einmal mehr sich auch untereinander durchzusetzen, als immer nur nachgeben“? Einmal nicht der Klügere sein wollen…Aber, wie schaffen wir es am besten, so auch die Fehler Anderer total „cool“ zu (er)tragen?

Meine Antwort: Indem wir uns die richtigen Vorbilder suchen – nämlich unsere „Kinder“ :
In keinem anderen Lebensalter zeigt der Mensch auch so oft extrem aggressive Verhaltensweisen wie im Kleinkindalter zwischen 2 und 5 Jahren.
Hier geht es um das Einüben wirklich wichtiger sozialer Erfahrungen und um das Erleben intensiver Interaktionen! Sie müssen möglichst früh auch lernen, sich durchzusetzen, sich zu wehren, sich etwas zu erkämpfen. Sie werden zornig, wenn etwas ihnen nicht passt, brüllen sie wie die Weltmeister….da geht man dann am besten gar nicht darauf ein, „let it be“…

Vorbilder suchen

Kinder erkunden am liebsten Unbekanntes, suchen selbst nach Lösungen und man staunt, sie optimieren ihre Herangehensweise meist stetig selber.

Nachdem ich meine Kinder geboren hatte, stellte ich mir die Frage: Welche Grundeinstellung für das Leben will ich bzw. wir ihnen mit auf den Weg geben? Die Maxime unserer Erziehung lautete: Die Kinder sollen spüren, dass der Weg das Ziel ist. Damit das gelingt, wollten wir unsere Kinder immer wieder ermutigen:
Sie sollten sich möglichst oft Herausforderungen stellen, immer und immer wieder alles Mögliche ausprobieren, immer wieder aufstehen“. Sieht man sich die Kleinsten unter uns an, die Kinder, fällt schnell auf, wie spielerisch und leicht sie mit allem umgehen. Ständig voller Intuition, ohne Gedanken-Karussell und Sorgen, sondern voller Schaffenskraft, impulsgesteuert und gedankenverloren leben sie ganz im Moment. Von dieser kindlichen Begeisterungsfähigkeit, Neugierde und vor allem dem Durchhaltevermögen auch nach dem 1000. Mal hinfallen sind sie in der Lage noch voller Euphorie aufzustehen und es nochmals zu versuchen, immer und immer wieder… Sollten wir uns dadurch nicht doch inspirieren lassen!

Nicht jene, die streiten sind zu fürchten, sondern jene, die ausweichen. In Partnerschaften muss man sich manchmal streiten, denn dadurch erfährt man mehr voneinander. Ein Streit zwischen wahren Freunden, wahren Liebenden bedeutet gar nichts. Zitate: Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)  war eine österreichische Schriftstellerin. Sie gehört mit ihren psychologischen Erzählungen zu den bedeutendsten deutschsprachigen Erzählern des 19. Jahrhunderts 

     

Kinder…Kinder…

Und vor allem müssen Kinder früh lernen Regeln einzuhalten, Streitigkeiten bzw. Meinungsverschiedenheiten „fair“ auszutragen, denn auch hier bringen Kontinuität und Ausdauer nachhaltige Veränderungen im Miteinander.

Ansonsten wird unser Nachwuchs „wenn er immer in Watte gepackt wird“, sich nie Herausforderung zu stellen brauchte, später einmal in der „realen Welt“, d.h. in der Welt außerhalb des Familienlebens, nicht gut zurechtkommen und leidvolle Erfahrungen machen müssen. Negativ-Beispiele von sog. „Overprotection-Eltern“ oder „Helikopter-Eltern“ kenne ich aus meinem Berufsleben zu Genüge.
Wir waren, glaube ich, recht strenge und konsequente Eltern…und beide dazu noch berufstätig.
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Hinfallen“ tut immer erstmal weh, später – egal ob als „Sportsman“ oder „Selbstständiger“. Im Berufsleben muss man immer wieder aufstehen, um neuen Anlauf zu nehmen. Immenser Druck und Euphorie liegen da meist dicht beieinander, und natürlich ist der Sieg immer das Ziel.
Gescheitert? Da kommt dann der Punkt, an dem man sich auch einmal eingestehen muss, dass es nicht klappt. Man kann nun heftig streiten, wessen Schuld das alles war.
Doch „Aufgeben“ ist ja keine Schande – ein Problem wird es erst, wenn man nichts aus dem Misserfolg lernt.
Man hat nur eine Chance, wenn man seine eigenen Schwachstellen kennt und akzeptiert, dann kann man auch viel besser mit Kritik umgehen.
Ich musste sehr früh selbst lernen, mein Leben und meine Erfahrungen häufiger diesbezüglich zu reflektieren, sowie meine Werte, Stärken, Fähigkeiten und Leidenschaften ganz klar identifizieren.

Auch bei einem Streit zählt am Ende das Wissen, alles gegeben zu haben und sich selbst treu geblieben zu sein.


Mal verliert man, und mal gewinnt man – C`est la vie…

Tatsächlich wird von Psychologen immer gesagt, dass wir nach einem Fehler sogleich aufstehen und es unbedingt noch einmal probieren sollten. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir das gleiche Problem angehen oder ein anderes lösen wollen. Die Hauptsache ist, wir geben nicht auf und machen wieder weiter. Anders gesagt: Wir müssen einfach wieder mehr Kind sein…
OH, so sorry, ich merke, ich schweife ab…vom eigentlichen Thema!


Willst du einen Gegner überzeugen, so musst du ihm die besten und edelsten Züge seines Charakters vor Augen führen. Umwirb ihn auf diese Weise. Halte ihm nicht seine Fehler vor. Zitat: ‚Mahatma‘ Gandhi (1869-1948). Er war ein indischer Asket und Pazifist, Widerstandskämpfer, Revolutionär und Publizist.

„Leit-Kultur des konstruktiven Streitens“

Eine „eigene“ Streitkultur entwickeln: Wie lernt man denn nun eigentlich konstruktiv zu streiten?
Um eine gelungene Streitkultur für sich selbst zu entwickeln, ist – wie bereits aufgezeigt – vor allem unsere Ausdauer, Fairness und Einfühlungsvermögen gefragt. Bei Konflikten im Berufsalltag ist das nicht anders.
Den anderen ruhig auch mal ihre „Ausreden“ zu lassen, keine „Wolkentürme“ aufzubauen, Verzicht auf sog. „Killerphrasen“ und den Gesprächspartner nicht von oben herab abzukanzeln, all das sind doch naheliegende Regeln für faires Streiten. Trotzdem fällt es uns oft sehr schwer, diese Regeln auch dauerhaft zu berücksichtigen.
Besonders, wenn man z.B. im Berufsleben auf „Rechthaber-Menschen“ trifft, die absolut keinen Wert darauflegen, richtig streiten zu lernen. Das sind dann oft die sog. „Polterer“: Das Wort kommt von „lautstark protestieren, ein großes Palaver veranstalten“. Denn sind dann die Beziehungen zwischen Kollegen erst einmal vergiftet, ist es sehr schwer, wieder zu einem guten Miteinander zurückzufinden. Ist ein hartes Wort erst einmal ausgesprochen, dann bleibt es oft überall unsichtbar für immer in der Atmosphäre….


“ Bis hierher und nicht weiter“! – Huc usque nec amplius!
(Zitat: Altes Testament-Bibeltext: Buch HIOB 38)

Psychologen…Soziologen…haben die immer Recht?

Sich Grenzen zu setzen und diese einzuhalten, ist nicht einfach. Daher ist es ratsam, bereits schon sehr früh präventiv „eine gute Streitkultur“ für sich selbst zu erlernen. Denn Auseinandersetzungen wird es im Leben immer geben, wenn verschiedene Charaktere, also Menschen aufeinandertreffen.
In amerikanischen Schulen gibt es diesbezüglich zum Beispiel schon lange ein viel breiteres Spektrum an Angeboten für Schüler und auch Psychologen und Sozialpädagogen: Die Lehrer werden nicht so allein gelassen wie hier bei uns, wo es meist kaum eine in der Schule verankerte „Supervision“ gibt.


Der Streit um Lappalien – wie kommt man aus der Einbahnstraße….?

Rechthaberei oder lieber gewaltfreie Kommunikation?

Die Frage ist stets, wie mit „Rechthaberei“ allgemein umgegangen werden sollte.
Rechthaber wissen oft sehr viel, halten sich selbst für klug und intelligent, doch leider sind sie oft „emotional völlig unterentwickelt“ und nicht empathisch. Ganz nach dem Motto: „Es kann nur eine Wahrheit geben und das ist meine!“ – „Besserwisser“ sind meist Egozentriker, sie haben im tiefsten Innersten häufig ein geringes Selbstwertgefühl und Minderwertigkeitskomplexe.
Dazu gehören auch die sog. „Schwafler“, die mit der höchsten Überzeugung ausschweifend den größtmöglichsten Blödsinn erzählen, das sind noch die Harmlosesten. Daraus resultiert der Drang, sich beweisen zu müssen, perfekt zu sein, keine Fehler zu haben, besser zu sein oder mehr zu wissen als die anderen Menschen…
Der Umgang mit ihnen ist äußerst schwierig, von sich aus muss man unbedingt klare Grenzen signalisieren. Sich NIE auf einen Disput einzulassen, höflich „Abwinken“ ist wohl das Beste!
Auch wenn du ganz sicher weißt, dass du auf jeden Fall Recht hast – belass` es doch einfach dabei. Größe zu zeigen, das bedeutet für mich, die Gelassenheit zu haben, dass man nicht um jeden Preis aus einer Diskussion als Sieger herausgehen will, z.B. nach dem Motto „Der Klügere gibt nach!“. „Zitat“ von Marshall B. Rosenberg: Er ist bekannt als Begründer des Konzepts der „Gewaltfreien Kommunikation“.
Denn „Helfen“ kann man hier in solch einem Disput „nie und nimmer“, es ist frustran. Aber das ist eigentlich alles schon wieder ein ganz anderes neues Thema…

„Willst du dich mit mir zanken, so beweise erst, dass ich unrecht habe“. © Michail Genin (1927 – 2003), russischer Aphoristiker, veröffentlichte seit 1964 in der satirischen Zeitschrift »Krokodil«.


Lass dich nicht in anderer Menschen Streitigkeiten mit hineinziehen – bleibe neutral – „Alte Volksweisheit“.


Die Frage aller Fragen nun zum guten Schluss:

Mein Mann und ich…und das Ei des Columbus?

Wie sind „WIR SELBST“ (mein Mann und ich) eigentlich bisher all die vielen Jahre mit diesem „Streit-Kultur-Thema“ umgegangen? Irgendwann haben wir „für uns genau passend“ die folgende
„formidable-absolut-ultimative-gerechte Lösung“ gefunden: WIR STREITEN NICHT!

Was? Wieso? Unmöglich! Das geht doch gar nicht…Unerhört…es muss doch einer wenigstens“…

Doch das funktioniert nämlich so, in dem wir uns beide ruhig sagen: „Okay, wir lassen das, was uns vielleicht streiten lässt, jetzt ganz einfach einmal so stehen“… in dem wir uns aber zusätzlich auch sagen:

„ICH HABE MEINE MEINUNG“…

„DU HAST DEINE MEINUNG“…

Und jeder von uns hat das akzeptiert und ist zufrieden, weil er seine eigene Meinung behalten darf ? 😉

UND??? Wer hatte eigentlich nun Recht?
Wer wirklich Recht hat, ist uns heute gar nicht mehr so wichtig. Du hast deine Meinung. Ich habe meine Meinung: PUNKT.


Wenn zwei sich streiten…

Es bleibt ja jedem natürlich selbst überlassen, seine „Meinung“ später einmal selbst zu überprüfen...falls man sich geirrt hat, kann man dies ja auch offen revidieren. Ohne Häme
Wir alle wissen: “ Irren ist menschlich“.

Und alles ist gut so…wegen so etwas streiten? Lächerlich 😉 Na ja, auch wenn`s einen manchmal auch wurmt ;-(
Wir haben gelernt, nicht wütend zu streiten, sondern wir diskutieren: „Wir reden miteinander und sagen uns ruhig, was uns stört.“ 
Es funktioniert also wirklich…probierts doch das nächste Mal bei euch einmal aus… Ihr werdet sehen
WIE BEREITS GESAGT: Wer wirklich Recht hat, ist uns heute gar nicht mehr so wichtig.

Du hast deine Meinung. Ich habe meine Meinung: PUNKT.

UNSERE AUSNAHMEN & TIPPS:
Sollten wir uns aber einmal z.B. über „Urlaubspläne“ oder Ähnliches streiten wollen, so erarbeiten wir uns immer ruhig einen Kompromiss, in dem wir gemeinsam immer das Pro & Contra abwiegen, „jeder abwechselnd“ (!) aber auch einmal nachgibt (!) oder Zugeständnisse (!) macht. Wir diskutieren diese Kompromisse dann kurz und bündig…So klappts dann auch mit einer (für jeden von uns) zufriedenstellenden Entscheidung bzw. auch der Beziehung! 😉
Es gab früher auch Zeiten, wo wir das Glück herausgefordert haben und einfach eine „MÜNZE“ geworfen haben…so entschied für uns das „Schicksal“… nun brauchen wir dies nicht mehr.


„Die Leute streiten, weil sie nicht gelernt haben zu argumentieren.“ –
Zitat: Gilbert Keith Chesterton (1874-1936) war ein englischer Schriftsteller und Journalist. 

Gefühlsausbrüche?

Beim Versuch, die Wogen bei einem Streit zu glätten, ist vielleicht schon mancher von uns von Gefühls-Ausbrüchen überrollt worden. „Was ich Dir schon immer sagen wollte“…grrr!

Es gibt letztendlich für alle von uns keine allein selig machende absolute Lösung für dieses oder jenes „Streit-Problem“. Es ist auch eine Temperamentsache! Die Rheinländer sagen: „Jeder Jeck ist anders!“ 😉 Jeder Mensch muss also für sich alleine oder mit seinem Partner gemeinsam seine eigene beste Streitkultur suchen und finden…



„Die Menschen, die sich rühmen, ihre Ansicht niemals zu wechseln, sind Toren, die an ihre völlige Unfehlbarkeit glauben“. Zitat: Honoré de Balzac (1799-1850) berühmter französischer Schriftsteller.


In meinem obigen Gesamttext sind nun einige „wichtige Anregungen“ für faires, konstruktives „Streitenzu finden, speziell von mir allein nur für euch – meinen lieben Blog-Lesern – geschrieben.

😉 Na? Dann streitet euch mal schön heftig…Übung macht bekanntlich ja den Meister 😉 So findet ihr sicher bald für euch auch die genau passende „Streitkultur“.


Es hat keinen Sinn, mit Männern zu streiten – sie haben ja doch immer Unrecht... “ – Zitat: Zsa Zsa Gabor (1917-2016) war eine berühmte US-amerikanisch-ungarische Schauspielerin.

„Von jeder Sache gibt es immer zwei einander widersprechende Auffassungen“. Zitat: „Pythagoras“ (570 v. Chr.-510 v. Chr.), antiker griechischer Philosoph und Mathematiker.

Nehmt also alle Hindernisse im Leben immer kämpferisch sportlich, dann lässt es sich mit Worten auch einmal „trefflich streiten“. Jeder hat natürlich auch das Recht auf seine eigene Meinung.

Einigen wir uns also am besten darauf, dass wir uns uneinig sind. 😉 Na, dann zankt auch nicht mehr darüber, wer das letzte Wort hat, ehrlich! Versprochen?


Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben“. Zitat: Christian Friedrich Hebbel  (1813-1863) deutscher Dramatiker und Lyriker.   


ACHTUNG – HALT 😉 NUN KOMMT ABER DOCH NOCH DAS LETZTE… DAS ALLERLETZTE WORT 😉 :

Beim Schluss des Krachs ist nämlich „Türenzuschlagen“ sehr vorteilhaft; denn mit der Klinke hast Du auch das letzte Wort in der Hand. Und das letzte Wort hat beim Krach bekanntlich eine Art mystische Qualität:Wer es spricht, ist der Sieger“! Der andere ist es nicht losgeworden, und es bleibt ihm als ewiger Kloß im Halse stecken. Manchmal rennt er darum noch schnell zur zugeworfenen Tür, reißt sie auf, brüllt es hinaus und schlägt sie nun selber zu! Haah…Siehste…Sooo!
Zitat: „Sigismund von Radecki“ (1891-!970) Pseudonym: Homunculus, bekannter dt. Schriftsteller/Literat.

„Es bleibt zwischen Menschen, sie seien noch so eng verbunden, immer ein Abgrund offen, den nur die Liebe und auch nur mit einem Notsteg, überbrücken kann“ . Zitat: Hermann Hesse (1877-1962) war ein berühmter deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Dichter und Maler.

TIPP-HINWEIS…auf meinen anderen Blog-Artikel: „Freundschaft“…passend zum Thema „Freundschaft“ gibt es hierzu Erstaunliches, Interessantes und Amüsantes zu lesen!

Nachtrag: Die feine Kombination von Gedanken und Bildern ist hier im Blog nicht einfach…Ich finde, „Worte und Bilder“ kommunizieren gemeinsam viel stärker. Manch` bekannte oder unbekannte Zitate-Spruchweisheiten und kurze Gedichte umrahmen daher meine Gedanken in diesem Blog.

…und die Versöhnung nach einem Streit ist doch meistens auch gaaanz schön, oder?
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„Lasset Gelehrte sich zanken und streiten
Streng und bedächtig die Lehrer auch sein!
Alle die Weisesten aller der Zeiten
Lächeln und winken und stimmen mit ein:
Töricht, auf Bessrung der Toren zu harren!
Kinder der Klugheit oh habet die Narren
Eben zum Narren auch, wie sich`s gehört“ !
 
Gedicht: Joh.W. Goethe (1749-1835) berühmter deutscher Dichter

Blog-Thema „STREIT – KULTUR“ veröffentlicht am 25.5.2019