GERICHTE MIT GESCHICHTE:
Gerichte, die in einem großen, hohen Topf zubereitet werden, sind schon sehr alt und weltweit verbreitet. Im deutschen Sprachgebrauch werden aber nur solche Gerichte als Eintopf bezeichnet, die einen geringen Flüssigkeitsanteil haben, also keine reinen Schmorgerichte (wie Gulasch etc.) sind.

Eines der Lieblingsrezepte unserer Familie ist im Winter ein schöner, leckerer Grünkohleintopf. Das Rezept stammt von meiner lieben „Tante Finchen“ (Josefine Molitor, geb. 1902-1996) und ist für uns das beste… TIPP: Von ihr stammt auch mein „Quiche“-Rezept (zum Nachlesen) in meinem Blog!

Und ich bereite diesen Grünkohl-Eintopf traditionell schon „immer“ für unsere ganze Familie zu. Dieser lässt sich übrigens perfekt (auch am Tag zuvor) fertigstellen und dann ebenso schnell in einer großen, hohen Pfanne oder entsprechend großem Topf auf dem Herd wieder kurz erwärmen.

KURZE HISTORIE: Schon unsere Vorfahren wussten, dass es in der kalten Jahreszeit nichts Besseres gibt als einen warmen Eintopf, von dem die ganze Familie satt wird. Der klassische Eintopf hat eine sehr lange Geschichte, schon im Mittelalter, wo die Lebensmittel nicht selten knapp waren, wurde alles, was man in der Küche hatte, in einen Topf getan, gekocht und wer reich war, konnte diese auch „herzhaft abschmecken“ (Salz und Gewürze waren damals rar und teuer).
Ein spezieller Topf für das Kochen über offenem Feuer war ein dreibeiniger Kessel. Solche Töpfe sind in verschiedenen Kulturen bekannt. Im arabischen Raum bestand früher z.B. teilweise die gesamte Küchenausstattung nur aus einer Feuerstelle mit einem dreibeinigen Kochgefäß darüber, die sich im Haus oder auch im Hof befand.

Ähnliches traf auf die Küchen der unteren Schichten im antiken Rom und in Griechenland zu. Weitere Beispiele sind die nordafrikanische Tajine: Dies ist ein rundes, aus Lehm gebranntes Schmorgefäß mit gewölbtem oder spitzem (konischem) Deckel (=Dampfkochtopfsystem)… Für Schmorgerichte stellt man in Nordafrika auch heute noch gelegentlich die Tajine klassischerweise auf ein Holzkohlefeuer. (Quelle: Wikipedia)

GESUNDE GEMÜSE WINTERKÜCHE:
Die Küche im Winter ist abwechslungsreich, gesund und vor allen Dingen köstlich. Die Winterküche steht für leckere Eintöpfe, heiße Suppen etc.

Diese Gerichte wurden früher regional auch als „Gemüse-Durcheinander“ bezeichnet, Über das offene Feuer im Kamin in der Küche konnte in einem wohlhabenden Haushalt ein großer Kochkessel gehängt werden. Sowohl der „Eintopf“ als auch der deutlich häufiger benutzte Begriff „Eintopfgerichte“ wurden erstmals im Ersten Weltkrieg neu geschaffen.

Bis heute hat sich am Prinzip des Eintopf-Kochen nichts geändert, denn noch immer werden Kartoffeln mit Gemüse und Fleisch oder Wurst in einem großen Topf lange gekocht und mit frischen Kräutern zum Abschluss verfeinert. Ja…und wenn etwas im Topf noch übrig ist?

Wie sagte schon einst Wilhelm Busch frei nach Witwe Bolte: „Wovon sie besonders schwärmt, wenn es wieder aufgewärmt.“ (Zitat: Wilhelm Busch (1832–1908). Dies trifft auch absolut für unseren Grünkohl-Eintopf zu. 😉 WENN…was übrig bleibt 😉

Der Grünkohl, Braunkohl oder Krauskohl gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse. Er ist ein typisches Wintergemüse und eine alte Zuchtform des Gemüsekohls.

DER GRÜNKOHL-EINTOPF

GESUNDE WINTER-KÜCHE:

Zutaten für 6 Personen: 1,5 kg frischen Grünkohl (alle Strünke entfernen), 200 g gut durchwachsenes „Gelderländer-Dörrfleisch“ (oder andere Marke), fein gewürfelt, 4 große Zwiebeln (500 g), 2 dicke Knoblauchzehen, 1 kg Kartoffeln, 1 El Butter- oder Gänse-Schmalz, 6-8 Mettwürstchen oder Mettenden oder Räucherenden („vorgebrüht“), 500 ml Gemüsebrühe (oder Fond oder auch 3-4 El Instant Gemüsebrühe).

Die „Gewürze“: 1 El Zucker, 1 El scharfer Senf, kräftig: Salz, Pfeffer, Muskatnuss (frisch gerieben). Zusätzlich „nach Gusto“: ein paar Haferflocken und/oder wer möchte 2-3 (vorgegarte) Kasseler Koteletts (Knochen schon entfernt).
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Einen ausreichend großen hohen Kochtopf bereitstellen.

Zubereitung: Vom Strunk abgestreifte Grünkohlblättchen gründlich waschen. In dem großen Topf Wasser zum Kochen bringen, kräftig salzen und den Grünkohl portionsweise ca. 5 Minuten blanchieren, bis alles zusammenfällt. Eiskalt abschrecken. Gut abtropfen lassen und grob hacken. Beiseite stellen. Wissenswertes: Grünkohl zählt zu den Bittergemüsen. Die Bitterstoffe entstehen durch den Zerfall von Enzymen. Dieser Vorgang wird durch das Blanchieren gestoppt.

Die Zwiebeln und die Knoblauchzehen schälen und fein würfeln, ebenso den Räucherspeck in kl. Stücke schneiden und alles zusammen in Butterschmalz kräftig anbraten. Alles in dem großen Topf mit dem gehackten, blanchierten Grünkohl gut vermischen, die Gemüsebrühe zugeben und mind. 1 Std. leise köcheln lassen, Vorsicht dass er nicht anbrennt…evtl. Brüh-Flüssigkeit später nach Bedarf nachfüllen. Dann die bereits vorgegarten Kasseler Koteletts und die Mettwürstchen (ca. 10 Minuten vor Ende der Garzeit) zum Grünkohl dazugeben. Das Ganze noch etwas „simmern“ lassen…

Während der Grünkohleintopf gart, die Kartoffeln schälen, würfeln, salzen und wie üblich 20 min. kochen. Abgießen, noch heiß mit dem Kartoffelstampfer zerdrücken und den Kartoffelstampf später – kurz vor dem Servieren – unter den dann fertig gegarten Grünkohltopf gleichmäßig untermischen, d.h. ( laut Tante Finchen) mit dem Eintopf „innig“ vermischen.

Extra-Tipp: Wer den Grünkohl zusätzlich andicken möchte, gibt  ca. 10 Minuten vor Ende der Garzeit ei paar Haferflocken dazu. Man rechnet dabei ca. 2 EL blütenzarte Haferflocken auf 1 Kilo Grünkohl. (Wir mögen es lieber „pur“…)
Ggf. noch etwas Brühe hinzufügen, falls der Grünkohl im Topf zu trocken erscheint, er soll schon schön „saftig“ sein.

Der Geschmack muss aber auch richtig „herzhaft“ sein, also „kräftig“ mit Senf, Salz, Pfeffer, Muskat und etwas Zucker abschmecken. Tante „Finchen“ tat damals noch „Maggi“ dran…


WICHTIG IST, DASS DER EINTOPF SCHÖN HEISS SERVIERT WIRD!!

„Atsumono ni korite Namasu wo fuku“ – Wer sich einmal die Zunge an heißer Suppe verbrannte, pustet, selbst wenn er kalte Speisen isst.
(Sprichwort aus Japan)

Anrichtungsweise: „Vorgekochte“ Mettwürstchen entweder separat später (kurz erhitzt) auf einer Platte extra dazu reichen oder aber die Mettenden (vorher- so gut es geht – „enthäutet“) in Scheiben schneiden und kurz vor dem Anrichten sorgfältig unter den heißen Grünkohleintopf mischen.

TIPP: Übrigens müssen Mettwürstchen „immer komplett durchgegart sein“. Zudem ist die Haut ist oft sehr „fest oder hart“ und schwer verdaulich. Daher enthäute ich die Mettwürstchen gerne meist direkt nach dem Kochen (sieht etwas zerrupft, also dann zwar nicht mehr so „schön“ aus, aber in kl. Scheiben geschnitten (unter den Grünkohleintopf gemischt), spielt das keine Rolle mehr und es ist alles dann wunderbar bekömmlich.

Auch die Kasseler Koteletts schneide ich vorher schon (bevor sie in den Eintopf kommen) in mundgerechte Stücke. Es ist ja schließlich ein EINTOPF, der nur mit der Gabel oder dem Löffel gegessen wird.

Man kann aber die Fleisch-Zutaten auch unzerteilt schön separat zum Grünkohl auf einer EXTRA Platte servieren, so dass sich jeder selbst nach Gusto bedienen kann. Dazu dann später am Tisch das Messer zur Gabel neben dem Teller nicht vergessen.

TIPP: Leider hatte ich das letzte Mal etwas zu wenig „Eintopf“ für den großen Appetit der Gäste 😉 und es waren dann doch etwas mehr Gäste als angekündigt…

So musste ich diesen kurzfristig „strecken“ und habe mir mit fertigem „TK-Grünkohl“ von einer „bekannten“ Firma (I..u) ausgeholfen, der tatsächlich nicht schlecht war! Ich hatte ihn noch schnell später dann zu meinem bereits fertig gekochten Grünkohl im Topf mit untergerührt. Also früh an „TK-Vorrat“ denken! Natürlich noch das Abschmecken bzw. evtl. kräftiges Nachwürzen nicht vergessen.

Der Eintopf lässt sich sehr gut vorbereiten und wenn die Gäste kommen, dann einfach kurz wieder“ langsam“ auf „kleiner“ Hitze unter „ständigem Umrühren“ aufwärmen (evtl. noch etwas kochende Brühe zugeben, damit er am Topf-Boden nicht anbrennt): Er muss unbedingt heiß serviert werden!


UND DIE KARTOFFEL DARF NICHT FEHLEN

„Kartoffel in der Früh, zu Mittag in der Brüh´, zu Abend im ganzen Kleid, Kartoffel in Ewigkeit“ – dichtete angeblich Friedrich Schiller (1749-1805)  – Er war Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Dramatiker, Lyriker und Essayisten.

Angeblich erwähnte Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) – der berühmte deutsche Dichter – die Kartoffel mehrfach in seinen Werken. Zudem wird ihm folgendes Zitat zugewiesen:

„Morgens rund, mittags gestampft,
abends in Scheiben –
dabei soll’s bleiben. Es ist gesund.“


„Vor lauter Globalisierung und Computerisierung dürfen die schönen Dinge des Lebens wie „Kartoffeln oder Eintopf“ kochen nicht zu kurz kommmen.“ ZITAT: Dr. Angela Dorothea Merkel (* 17. Juli 1954) ist eine deutsche Politikerin. Sie ist seit dem 22. November 2005 Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Vom 10. April 2000 bis zum 7. Dezember 2018 war sie CDU-Bundesvorsitzende. Merkel wuchs in der DDR auf und war dort als Physikerin am Zentralinstitut für Physikalische Chemie tätig. (Wikipedia)

Blog-Artikel veröffentlicht im Februar 2019