GERICHTE MIT GESCHICHTE: Das Rezept stammt von unserer wunderbaren „Tante Finchen“ . Ihre Back-Kunst war legendär: Eines unserer Lieblingskuchen – die sie für uns Kinder gerne gebacken hatte – war dieser – eigentlich recht einfache – Kasten-Kuchen – mit zweierlei Schichten: Oben gab es eine köstliche „Makronen-Schicht“ und unten einen „Eierkuchen“ (Rührteig), der wunderbar goldgelb hervorstach. Einen Schokoladenguss drüber gab es nur zu besonderen Tagen...Wir nannten diesen Kuchen immer nur „Tante Finchen-Kuchen“! Dazu gabs für uns Kinder immer selbstgemachten heißen „Kakao“…wärmend, schön cremig…einfach köstlich. Das waren „Fest-Tage“. Ich habe das Rezept erst vor kurzem – nach unserem Umzug – wieder gefunden…und nun gleich ausprobiert…

Wie schon einmal in meinem anderen „Blog“ (Knusprige Lauch-Quiche) erwähnt, folgt hier nochmals kurz ihre „Vita“ .
Eine „Hommage“:
…Ihr Name war „Josephine Molitor“ (1902-1996): Sie hatte noch sechs Geschwister und war selbst das zweitjüngste Kind. Ihre Familie kam aus dem kleinen Ort „Leidingen“ (direkt an der lothringisch-französischen Grenze gelegen). Sie wuchs auf mit 2 Brüdern und vier Schwestern – die alle vier später Ordensfrauen wurden: „Borromäerinnen“ („Barmherzige Schwestern vom hl. Karl Borromäus“). Dieser Orden ist eine katholisch-apostolisch-caritativ tätige Ordensgemeinschaft.

Von den beiden Brüdern ist der jüngste „Studienrat“ geworden. Er war später Lehrer in einem humanistischen Gymnasium in Homburg/Saar. Der älteste Bruder wurde „katholischer Pastor“ später in einer damals sehr großen Pfarrei in Jägersfreude (Stadtteil von Saarbrücken).


Unsere Tante Finchen war bei ihm (ihrem großen Bruder) über 40 Jahre (bis zu seinem Tod) seine Pfarrhaushälterin und die Seele von allem. Sie war nicht nur eine meisterliche „Näherin“ (z.B. nähte sie „Soutanen“ etc. für den Herrn Pastor), sondern auch eine brillante Köchin. Sie erzählte uns oft, wie sie große kirchliche und sonstige „Events“ (z.B. wenn der Bischof oder auch z.B. Bürgermeister, Landrat etc. zu Besuch kamen) organisierte und als hervorragende Köchin ganze Rehe und Wildschweine zerlegte, Wild-Terrinen, Pasteten und Kuchen buk. So war sie eigentlich damals in allem die perfekte „Managerin“ des großen Pfarrhaushaltes. Einge dieser französischen „Terrinen- bzw. Pasteten-Rezepte“ hatte ich von ihr übernommen und für Familie, Freunde, Gäste und Events früher häufiger zubereitet. Leider sind diese heute etwas aus der „Mode“ gekommen…vielleicht, weil sie recht aufwendig zuzubereiten sind? Schade…

Josephine Molitor mit 87 Jahren: Das Foto wurde im Jahre 1989 von mir aufgenommen.

Begleitet wurde all ihr Schaffen immer von einem „ansteckenden“ unnachahmlichen herzlichen Lachen und einer Fröhlichkeit, die ich niemals wieder bei jemand anderem so erlebt habe. Man merkte, sie war glücklich. Wir alle liebten sie sehr. Und sie ließ uns Kinder teilhaben an ihrem Optimismus und ihrer Lebensfreude.


Tante Finchens „Makronenkuchen“


Rührteig besteht immer aus Fett, Zucker, Eiern, Mehl und Backin. Die Zutaten werden also der Reihe nach verrührt. Der untere Teil des Kuchens mit Rührteig hat von der Konsistenz her nach dem Backen eine schön saftig-lockere Krume. Der oberen Teil des Kuchen besticht mit einer leckeren weichen Mandelmakronen-Füllung.
NUN FOLGT IHR REZEPT MIT TIPPS & TRICKS – Rubrik: Easy to make…


ZUBEREITUNG:
Zutaten für Rührteig: 200 g weiche Butter, 100 g Zucker,1 Prise Salz, 6 Eigelb, 200 g Mehl, 50 g Gustin, 1 TL Backpulver Zutaten für Makronenteig: 100 g Zucker, 6 Eiweiß, 200 g gemahlene Mandeln, 3 Tropfen Bittermandelaroma (Röhrchen)
Zutaten für Glasur: 150 g Zartbitter-Schokolade, 1 El Nutella, 1 El Öl.
Letzteres ist kein Muss: Meistens wurde nur die fertig gebackene „Oberfläche“ (nach dem Abkühlen) später von Tante Finchen mit ein wenig aufgelöster, flüssiger Schokolade „bepinselt“ (siehe Foto).


Zubehör zum Backen: Eine 30 cm „Königskuchen-Form“ , Rührschüsseln, Teigschaber, Handmixer mit Schneebesen oder „Küchenmaschine“ mit Quirlbesen, Backpapier.
Backzeit: Zirka 60-70 min. bei 170 Grad Celsius (Ober-/Unterhitze)-
Öfters gegen Ende der Backzeit in den Ofen schauen (Stäbchenprobe!), je nach Ofen braucht der Kuchen mehr oder weniger Hitze, bzw. dann auch eben eine kürzere oder längere Backzeit.


Zubereitung: 6 Eier trennen. Die Eigelbe in eine separate Rühr-Schüssel geben.
ZUERST den Makronenteig zubereiten: Die 6 Eiweiß mit einem „Rühr-Quirl“ (auf der höchsten Stufe) in einer absolut sauberen, fettfreien (möglichst Metall) – Schüssel schön steif schlagen. Dabei den Zucker unter Rühren ganz langsam einrieseln lassen und dabei auf mittlerer Stufe so lange weiterschlagen, bis sich der Zucker gelöst hat und der Ei-Schnee „schnittfest“ aussieht.
Danach die fein gemahlenen Nüsse „vorsichtig“ und gleichmäßig mit einem fettfreien „Spatel“ unter den recht festen „Eischnee“ heben, bis alles „innig“ vermischt ist. Zum Schluß ziehe ich mit einer normalen „Gabel“ den Eischnee nochmals vorsichtig durch, damit sich keine „Nuss-Nester“ verstecken, 😉 Vorsicht: Nicht zu viel rühren, sonst fällt der Eischnee in sich zusammen. Die Baiser-Nuss-Masse kurz kalt stellen, bis der Rührteig fertig ist.

Um sicherzugehen, setzt man zum Schluß in das steifgeschlagene Eiweiss mit einem kleinen Messer einen feinen Schnitt. Bleibt dieser gut sichtbar stehen, ist der Eischnee fertig.

Als nächstes den „Rührteig“ zubereiten: Die „weiche“ Butter mit dem Zucker schön cremig verquirlen. Die 6 „Eigelbe“ nach und nach einzeln dazugeben und gründlich „einzeln“ unterrühren. Die übrigen Zutaten wie Mehl/Backpulver/Gustin/Prise Salz nacheinander innig mit dem Eigelb-Teig zu einem homogenen Rührteig mit den „Quirlen“ des Handmixers o.ä. vermengen.


Backen: Den fertigen Rührteig sorgsam in einer mit „Backpapier“ oder Folie ausgelegten 30 cm lange Kastenform schön gleichmäßig verteilen, die Oberfläche mit einem Spatel (Palette) ebnen und danach den Eiweiss „Makronenteig“ als Abschluss darüber geben und die Oberfläche schön glatt streichen. In die Mitte des Makronenteigs mit einem Messer einen ca.1 – 2 cm tiefen, langen Schnitt durchziehen. damit die Oberfläche beim Backvorgang nicht unschön (unkontrolliert) aufreisst: So gibt es oben eine kl. waagerechte „Rinne“. Achtung nicht zu tief schneiden, da sonst die oberste Makronenmasse in den unteren hellen Rührteig läuft. Das ergibt später im Anschnitt oben eine kl. Herzform. Die beiden Kuchen-Schichten sollen später „nach dem Backen“ (schön sauber voneinander getrennt) – im Anschnitt – zu sehen sein. So waren wir es jedenfalls von Tante Finchens Kuchen her gewohnt.
Den Kuchen nun im vorgeheizten Ofen bei 170 °C (Ober-/Unterhitze) 1 Stunde (und evtl. noch 10 min. länger) backen (unbedingt Stäbchenprobe machen!).

TIPP: Zu Anfang – nach zirka 10 min. Backzeit – die Oberfläche mit Backpapier abdecken, sonst wird sie zu rasch dunkel.

Gegen Ende der Backzeit – bei der Garprobe – sticht man mit einem Holzstäbchen (ich nehme immer meinen Metall-Schaschlik-Spieß) an der dicksten Stelle – meist in die Mitte des Kuchens – hinein. Ist das Stäbchen nach dem Herausziehen trocken und es haftet kein Teig mehr daran, dann ist der Kuchen gar, und man kann ihn aus dem Backofen nehmen. Den Rührkuchen anschließend unbedingt für ca. 10-15 Minuten in der Backform auf einem Rost ruhen lassen. Danach kann man den fertigen Kuchen aus der Form – vorsichtig am besten auf ein Kuchengitter – stürzen, um ihn vollständig auskühlen zu lassen.

FAKULTATIV: Für eine komplette „Glasur“: Die Schokolade im Wasserbad auf dem Herd schmelzen, mit Öl / Nutella gut verrühren, auf dem gut abgekühlten Kuchen die Glasur (auch an den Rand-Seiten) mit einem Spatel, glatten Messer o.Ä. schön verteilen und überall glatt streichen. Wenn die Schoko-„Oberfläche“ ganz leicht angetrocknet war, hatte Tante Finchen in diese (mit Gabelzinken) wellenförmig – auf allen Seiten – ein Muster hinein “gegraben“…dies sah hübsch aus😉. Wie oben schon erwähnt, ist die vollständige Glasur kein Muss.

„Chacun à son goût“…sagte sie immer: Jeder nach seinem Geschmack oder einfacher: Jedem, wie es ihm gefällt 😉

Wenn dann die Glasur – wie oben beschrieben – vollständig angetrocknet ist, den Kuchen möglichst „luftdicht“ verpacken und kühlstellen. Er ist lange haltbar. Bei uns Kindern aber, war er ratz-fatz weg…


Alternativ hatte Tante Finchen diesen Kuchen auch oben öfters einfach mit einem Zitronen-Puderzucker-Guß bedeckt und eine Handvoll gehackte Pistazien darüber gestreut…der Kontrast zwischen der süßen Makronenschicht und dem Zitronenguss ist vom Geschmack her perfekt…

DAZU PASST EIN FRISCH GEBRÜHTES KÄFFCHEN…

TAADAAAA!
DER PERFEKT – ZU – VERSCHENKEN – KUCHEN IST DA ….

ALTERNATIVEN:Festlicher“ Makronenkuchen…es gibt auch noch andere Varianten, die man ähnlich zum Beispiel beim Konditor kaufen kann, der diese mit Biskuit und Marzipan etc. zubereitet:…Aber das ist nicht mehr Tante Finchens Rezeptur
Dagegen ist diese hier abgebildete festliche Makronen-Kuchen-Variante – die aus den gleichen Zutaten wie der Tante-Finchen-Kastenkuchen im obigen Rezept besteht – ebenso perfekt!

Eine „festliche Variante“ ist dieser „runde“ Makronenkuchen, der in einer 24 cm Springform nach demselben Rezept gebacken werden kann! Vor dem Backen wird die Oberfläche mit gehobelten Nüssen bestreut und mit einem „Rest“ der Makronenmasse (zur Verzierung mit einer Spritztülle) wird dann der Rand hübsch verziert. Ein sensationeller Hingucker! Tante Finchen hätte sicher nichts dagegen gehabt!

Der Blog „Tante-Finchen-Kuchen“ wurde veröffentlicht am 28. 2. 2020.