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Wie fein unsere Fäden doch gesponnen sind, die uns Menschen miteinander verbinden. Diese feinen Fäden gibt es tatsächlich. Sie sind durch Kommunikation entstanden, durch gemeinsam gehörte Erzählungen. DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND: Alle kennen wir unsere schönen, alten „Gutenachtgeschichten“ die uns vor vielen Jahren erzählt wurden. Da findet das Aschenputtel mit ihrem passenden Schuh den geliebten Königssohn, der Frosch wird zum schönsten aller Prinzen, und unser liebreizendes Dornröschen wird endlich wach geküsst. Es war einmal…und alle unsere Helden waren dann immer glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. Das Problem an unseren alten Märchen ist für uns, dass wir alle so sehr gerne an sie glauben möchten und dann oft doch so enttäuscht werden. Im echten Leben reitet dann unser Prinz mit der falschen Prinzessin einfach davon. Oder der ganze Zauber ist schnell verblasst und die beiden Liebenden erkennen plötzlich, dass sie wesentlich besser dran sind, wenn sie sich doch trennen.

„Märchen spiegeln das ,zauberhafte‘ Denken wider, das jedem Kind eigen ist – das Kind behilft sich bei Dingen, die es rational nicht erklären kann, mit magischen Vorstellungen.“ Zitat: Sabine Lutkat, Pädagogin und professionelle Märchenerzählerin.

„Märchen, Sagen und Legenden“ haben bis heute jedoch nichts von ihrer Faszination für uns verloren. Unsere alten Märchen berührten noch immer unsere Seele, damit sie erfüllt ist von dem, was mancher so sehr zum Leben braucht: Zuversicht und natürlich Fantasie. Ohne die vielen Märchen unserer Kindheit würde uns vielleicht wirklich etwas Schönes fehlen.

Einge Zitate – die von diversen Autoren stammen – wurden gefunden bei Gerd Albert Langer (alias Albertus Fabulator) Erzähler von Märchen, Schnurren und Geschichten…Er ist Mitglied der Europäischen Märchengesellschaft. Ebenso Quellen: von myzitate.de/Meredith Grey aus Grey’s Anatomy.

„Ich kannte die Freude am Lesen nicht, die Freude daran, Räume auszukundschaften, die sich einem in der Seele auftun, sich der Fantasie überlassen, der Schönheit und dem Geheimnis von Dichtung und Sprache“. Zitat: „Carlos Ruiz Zafón“ (*1964) spanischer Schriftsteller. Zitat aus seinem Buch „Der Schatten des Windes“ .

„FANTASIE IST WICHTIGER ALS WISSEN“: Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt“. Zitat: Albert Einstein (1879-1955), dt.-amerik. Physiker (Relativitätstheorie), 1921 Nobelpreis.
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Märchen sind wie ein „Kopf-Kino“, sie malen uns schöne Bilder im Geiste. Ohne diese unsere Fantasie gäbe es überhaupt gar keine Märchen, aber ohne unsere Märchen könnten wir fantasievoll diese Bilder im Geiste uns gar nicht wirklich ausmalen. Märchen sollten eigentlich immer vorgelesen werden!

„Durch das Ohr dringen die Töne in das Innere der Seele… “
„Zitat“: Platon (429 v. Chr. – 348 v. Chr.
) Platon war ein antiker griechischer Philosoph. Er war Schüler des Sokrates, dessen Gedanken und Methoden er in vielen seiner Werke schilderte.

„MÄRCHEN SIND MEHR ALS WAHR: Nicht, weil sie uns sagen, dass es Drachen gibt. Sondern, weil sie uns sagen, dass Drachen besiegt werden können.“ Zitat: G. K. Chesterton (1874-1936) englischer Schriftsteller.

So lernten früher schon kleine Kinder, wenn ihnen von den Eltern oder Großeltern Märchen erzählt wurden, auch frohe Zuversicht zu haben, zu vertrauen: Zum Beispiel, dass es immer für vieles eine Lösung gibt, mag die Situation auch noch so unglücklich oder völlig ausweglos erscheinen wie z. B. beim Märchen „Hänsel & Gretel“ im Käfig gefangen zu sein. Gruselig und schaurig-schön geht es oft in den meisten Märchen zu. Und in dem Märchen „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ spuken sogar böse Geister durchs finstere Schloss. In den 1980er Jahren bekamen dann die Bedenken der 68er-Pädagogen – die diese grausamen Geschichten den lieben Kleinen nicht zumuten wollten – ordentlich viel Gegenwind und „es durften“ endlich wieder Märchen erzählt werden… 😉

Die Psychologie ordnet zwar z.B. auch „Rotkäppchen“ in die Kategorie der Schreckensmärchen ein, welche die Kinder recht drastisch daran erinnern sollen, immer nur ja schön artig und brav zu sein und auf die lieben Eltern zu hören.

Da sprach die Mutter zu Rotkäppchen: “Hier ist Kuchen und eine Flasche Wein, bringe sie bitte der kranken Großmutter! Aber gehe nur ja nicht vom Wege ab, pass auf!” Im Wald trifft Rotkäppchen einen Wolf. Der Wolf ist ein böses Tier. Aber das weiß Rotkäppchen nicht. Deshalb hat sie auch keine Angst vor dem Wolf und geht mit ihm mit…

Tatsächlich aber lehrt jedes Märchen uns, dass das Schicksal es gut mit denjenigen meint, die ihren eigenen Weg gehen, die sich etwas zutrauen und auch einmal etwas riskieren. So war die Öffnung der Märchenwelt für Kinder das Beste, was den lieben Kleinen passieren konnte.
Und wer von uns den Vorteil hatte, seine Fantasiewelt nicht nur aus „Star Wars“ und „Harry Potter“ zu speisen, der weiß noch heute, wie gut sich manche Märchenfiguren damals für uns als echte Helden eigneten.

„Märchen sind nicht zum Lesen da, Märchen müssen erzählt werden – dann erst werden sie so lebendig“. Zitat: Otto Vogel (1838-1914) deutscher Schriftsteller und Pädagoge.

Diese Geschichten fördern vor allem auch unsere Einfühlsamkeit bzw. die Fähigkeit, sich in Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, z.B. in Arme, Kranke und Unterdrückte einfühlen zu können.
Der dänische Erzähler „Hans Christian Andersen“ konnte das besonders gut: Sein „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ rührt auch beim wiederholten Lesen so manchen oft immer noch zu Tränen.

Aber es geht auch um unsere elementaren Gefühlswelten wie „Liebe, Hass, Eifersucht und Leidenschaft“. Vom Schicksal dafür bestimmt, kämpfen tapfer unsere Helden und Götter weiter in den Geschichten um die große Liebe, das Überleben und Weiterleben. Dabei wurde sich immer einer lebhaften, spannenden und bildhaften Erzählweise bedient, die wir im Geiste für uns weiterspinnen bzw. ausmalen konnten.

Für den Gehirnforscher „Gerald Hüther“ (*1951) sind Märchen deshalb das beste Doping für unsere „grauen Zellen“: Diese Geschichten sind es, die uns „unter die Haut gehen“, die selbst einen Zappelphilipp so in den Bann ziehen können, dass er mal stillsitzt. (Quelle: „Welt.de“).


„Jedes Märchen führt in ein anderes Land, nämlich in ein Land, das in uns liegt. Nicht in ein fremdes „Irgendwoland”, sondern es führt in uns selbst. Das ist das andere Land, aber wir beobachten es nicht, weil der Alltag uns eigentlich immer glauben macht, wir seien schon im Land. Aber unser eigenes Inneres verfehlen wir sehr oft. Das Märchen ist Weg.“
Zitat: Rudolf Geiger (Märchenforscher) (1908–1999), deutscher Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Märchenforscher.

Viele von uns kennen aus ihrer Kindheit vielleicht die meisten Märchen, Sagen und Legenden von unseren Müttern oder Großmüttern überliefert…die wir unseren Kindern gerne wieder weitergeben können.


„Wenn ein kleiner Junge ein Stück Holz unterm Ofen hervorholt und zu dem Holz ‚Hü!‘ sagt, dann ist es ein Pferd, ein richtiges lebendiges Pferd. Und wenn der große Bruder sich kopfschüttelnd das Holz betrachtet und zu dem kleinen Jungen sagt: ‚Das ist ja gar kein Pferd, sondern du bist ein Esel‘, so ändert das nicht das Geringste daran. Und mit meiner Zeitungsnotiz war es ähnlich. Die anderen Leute dachten: Na ja, das ist eben eine Notiz von zwanzig Zeilen. Ich aber murmelte ‚Hokuspokus!‘, und …da war’s plötzlich ein Buch“. Zitat: Erich Kästner (aus dem Buch: „Pünktchen und Anton“)


„Darum liebe ich die Kinder, weil sie die Welt und sich selbst noch im schönsten Zauberspiegel ihrer Phantasie sehen“. Zitat: Theodor Storm (1817-1888) war Jurist und bekannter deutscher Schriftsteller, Autor von Novellen des deutschen Realismus mit norddeutscher Prägung.

Das Haus unserer Oma in Aschaffenburg am Schloßgarten (Pompeijanum) mit „Türmchen“…

MÄRCHENHAFTE KINDHEITS-ERINNERUNGEN:
Als kleine Kinder waren wir in den Ferien zum Beispiel oft bei den Großeltern in Aschaffenburg und mit den Eltern im nahen Spessart und gingen gespannt in den alten Häusern mit unseren dortigen Freunden auf Spurensuche.
Oder auf dem „riesigen“ uns recht „gruselig“ vorgekommenen, mit allerlei alten Sachen zugestellten „Dachboden“ im Haus unserer Großmutter in Aschaffenburg hatten wir doch mehr Angst, als wir zugeben wollten.

Hier gab es auch ein verstaubtes „Turmzimmer“ mit gespenstisch knarrendem Holzfußboden und einem schönen alten Spinnrad, was natürlich für uns „verzaubert“ war!

Bei all unseren Besuchen z.B. im Schloss „Mespelbrunn“ (in dem es in unserer Fantasie sicher auch spukte) und dem geheimnisvollen, sagenumwobenen Spessart-Wald waren meine Geschwister und ich unseren „Märchengestalten“ mit ihren spannenden Geschichten auf der Spur. Und es reizte uns natürlich, diese in jedem Winkel oder Turm wiederzufinden. Es ging in unserer Fantasie immer ziemlich geheimnisvoll und ganz schön gespenstisch zu.

In von Fachwerkhäusern flankierten „Gässchen“ in den alten Spessart-Dörfern warteten in unserer Fantasie sagenumwobene Schätze auf ihre Entdeckung und allerorts wehte ehrfurchtsvoll der Hauch von alten Geschichten…wie alt mag ich damals wohl gewesen sein? Vielleicht so 10…11…12 Jahre?

„Die Erinnerungen verschönern das Leben, aber das Vergessen allein macht es erträglich“. „Zitat“: Honoré de Balzac (1799-1850) französischer Schriftsteller.

ANMERKUNG ZU MEINEM BLOG-TEXT: Die feine Kombination von Gedanken und Bildern ist hier im Blog nicht einfach… Ich finde, Worte und Bilder kommunizieren gemeinsam viel stärker.  Manche bekannten oder unbekannten Zitate, Spruchweisheiten und kurze Gedichte „umrahmen“ daher meine Gedanken in diesem Blog.

WIE IM MÄRCHEN„SO WAR ICH AUCH MAL“:
„Früher, da habe ich mit Elfen und Feen gespielt, konnte zaubern und auf Besen fliegen. Früher hat mich jeden Abend der kleine Vampir besucht und der Wunderwald hat seine Pforten nur für mich alleine geöffnet. Ich hab‘ sogar mal die Welt gerettet. Ob ich schon einmal Spiderman war? Natürlich, schon tausende Male… Nur jetzt bin ich erwachsen und den Wunderwald können nur Kinder betreten. Ich wünschte, ich wäre wieder so: Wieder ein Kind“. Zitat: Autor unbekannt.

HEX…HEX…Abra kadabra – drei mal schwarzer Kater…Was hat eigentlich eine schwarzgekleidete Hexe oder Zauberin bei den himmlischen Heerscharen zu sagen? Überraschenderweise mehr als man so glaubt!
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Sprichwörtlich geworden sind uns allen ja auch „einige Sätze aus Grimms Märchen-Sammlungen“. Das wahrscheinlich bekannteste ist die Frage: »Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?« Auch den Spruch: »Ach wie gut, dass niemand, weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß«, kennen die meisten von uns. Bei anderen Sprüchen denkt man: Die kenne ich doch … aber aus welchem Märchen war das noch mal? (Zitat: maerchenatlas.de)

„Fantasie muss grenzenlos sein dürfen. Denn gezähmt wäre sie keine Fantasie“. Zitat: August Everding (1928-99), (dt. Theaterregisseur, Generalintendant Bayer. Staatsoper)

Märchen, Sagen, Legenden und Fabeln unterscheiden sich doch ganz erheblich in einigen sehr wichtigen Punkten: Während in einer „Fabel“ nur Tiere vorkommen, sind bei den „Märchen“ und den „Sagen“ meistens ganz „besondere“ Menschen die Hauptpersonen. Man muss die geheime Botschaft des Märchens entschlüsseln können. Bei manchen steht eine deutliche „Moral-Geschichte“ am Ende, welche die Menschen zum intensiven Nachdenken über das eigene Handeln anregen soll.

„Märchen entspannen und heilen mit Worten. Sie können ein Schlüssel zu verborgenen Seelenbildern sein. Man wird wieder aus Himmel und Sternen Bilder machen und die Spinnweben alter Märchen auf offene Wunden legen“. Zitat: Christian Morgenstern (1871-1914) deutscher Dichter.

Es ist vielleicht für uns alle die größte Botschaft aller Märchen: Dass es wirklich in unserer Welt nichts Traurigeres gibt, als überhaupt keinen Sinn mehr in seiner Existenz zu finden – und es für uns Menschen nichts „Tröstlicheres“ gibt, als die Tatsache, dass jeder eine ganz wichtige Aufgabe hat in diesem Abenteuer, welches „Leben“ heißt und welches uns manchmal aber auch wie ein wunderbares Märchen vorkommt. (Zitat: Welt.de)

DIE GUTE FEE IM MÄRCHEN und ihre lieben Elfenkinder…
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„Märchen erzählen, so wie wir sie lieben,
Geschichten von Zauber und Kreaturen, die fliegen.
Von Riesen und Drachen, Menschenfressern und Elfen.
Von grausamen Mächten und guten Feen, die helfen.
Da gibt es Romantik, Gefahr und das Schmieden von Plänen, es gibt die Guten und die Bösen und die dazwischen bring dich eher zum Gähnen. Ein Märchen beinhaltet auch immer ein echtes Körnchen Wahrheit. Die Qual, Entscheidungen zu fällen mit der nötigen Klarheit“. (Zitat: aus „Ella – Verflixt und Zauberhaft“)

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„Märchen-Sage-Legenden-Fabel“ ???
Es werden Euch von mir heute aber keine Märchen hier erzählt (…ooooch…wie schade!) 😉 sondern – für manchen vielleicht ganz neu – wird „Überraschendes, Begriffliches, diverse Unterschiede und Zusammenhänge“ aus einem „sagenhaften“ Umfeld erklärt, welches vielleicht bei manchen schon fast ganz in Vergessenheit geraten ist?
Eine Erzählung ist eine Form der Darstellung. Man versteht darunter die Wiedergabe eines Geschehens in mündlicher oder schriftlicher Form. All diese Geschichten mit unterschiedlicher Provenienz (Herkunft, Quelle, Grundlage) sind „Märchen, Sagen, Legenden, Fabeln“ – die unterschiedlicher diesbezüglich nicht sein könnten. Wir kennen viele dieser Erzählungen aus unserer Kindheit…

WIE SIND DIESE GESCHICHTEN WOHL ALLE EINST ENTSTANDEN?

WAS GENAU IST EIGENTLICH WAS UND WIE DEFINIERT? „Märchen-Sage-Legenden-Fabel“ ???
Von diesen doch sehr unterschiedlichen Begrifflichkeiten möchte ich nun detailliert berichten: Es bleibt spannend im „Märchenland“…


Aber Großmutter, was hast du für große Augen? … damit ich dich besser sehen kann!
„Das Märchen glaubt daran, dass es die Bestimmung der Gefahr, des Dunkels, des Übels sei,
den Menschen emporzuführen ins Licht“. Zitat: Max Lüthi (1909-1991)
Märchenforscher und Professor an der Uni Zürich.

Definition „Märchen“

Was ist das eigentlich genau überhaupt ein „Märchen“ ?
GESCHICHTLICHES:
Der Name leitet sich als Diminutiv (also als grammatische Verkleinerungsform eines Substantivs) vom mittelhochdeutschen „mære“ = Kunde, Bericht, Nachricht) ab. Die Tradition des Märchenerzählens kann sehr weit zurückverfolgt werden. So fanden sich Märchen auf ägyptischen „papyri“ oder auch bei Platon, dem alten griechischen Philosophen. Die schriftliche Tradition reicht somit weit über dreitausend Jahre zurück. 
Nun kurz zur „Historie“ in der „Neuzeit“ (ca. ab dem Jahr 1500):
Die ersten Märchensammlungen auf unserem Kontinent wurden in Italien veröffentlicht. Schon im Jahre 1550 erschien in Venedig das Märchenbuch „Tredici piacevoli notti“ von Giovanni Francesco „Straparola“. Er war ein italienischer Märchen-Sammler.

Anno 1637 erschien das zweiteilige berühmte „Pentamerone“ von Giambattista „Basile“ (1575–1632), der ein bekannter italienischer Märchen-Erzähler war. Beide Bücher waren damals nur für „Erwachsene“ gedacht. Die älteste gedruckte Fassung des Märchens „Dornröschen“ findet sich ebenfalls im „Pentamerone“ von „Giambattista Basile“ .
Da die erste Fassung dieses Märchens „Dornröschen“ schon 200 Jahre „vor“ den Gebrüdern Grimm (nämlich in Italien) zu datieren ist, ist es naheliegend, dass die Brüder Grimm später in ihren gesammelten Erzählungen auch durch andere Kulturkreise, die sie „durchforsteten“ sehr stark „beeinflusst“ wurden.

Die erste Märchensammlung für „Kinder“ wurde dann erst im Jahre 1697 in Paris veröffentlich von Charles Perrault (1628-1703). Er war ein französischer, angesehener Schriftsteller und hoher Beamter.
Bekannt war er vor allem durch seine „Märchensammlung“ geworden: Les „Histoires ou Contes du temps passé, avec des moralitez“ (anno 1697) oder die „Geschichten oder Märchen aus vergangener Zeit, mit anschließender Moral“ die später auch unter dem Titel „Contes de ma mère l’Oye“ herausgegeben wurden, also „Märchen meiner Mutter Gans“.
Er orientierte sich auch an den bekannten italienischen Erzählern wie z.B. Giambattista Basile. Daher gibt es auch Perraults französische Fassung von „Dornröschen“ sogar erweitert in zwei Bänden: „La belle au bois dormant“. Sie ist inhaltlich sehr ähnlich dem späteren Grimm`schen Pendant.
Im Jahr 1704 kam es dann auch zur Übersetzung der arabischen „Märchen aus 1001 Nacht“. Als erster war es der sprachbegabte Orientalist Antoine Galland (1646-1715) ebenfalls in Paris, der dies übernahm. In der Geschichte von „Kalif Storch“, einem Märchen „Wilhelm Hauffs“, lautet das „Zauberwort“ zur Verwandlung „mutabor“ (lateinisch für „ich werde verwandelt werden“). Und in der Geschichte von Ali Baba und den vierzig Räubern lautet das „Zauberwort“: „Sesam-Öffne-Dich“. Hier rätseln die Sprachwissenschaftler heute noch immer und haben sich gefragt, ob hinter dem – für einen Zauberspruch allzu prosaischen – Pflanzennamen „SESAM“ nicht ursprünglich doch etwas ganz Anderes gesteckt hat:
So ist man sich in der der Märchenforschung in diesem Fall auch nicht so ganz sicher, aber „Sesam“ heißt im arabischem „Sesamum“: Mit dem Wort ist möglicherweise die Pflanze „Sesamum indicum“ gemeint, deren Früchte beim Reifen sich sehr schnell öffnen. Auch sexistische Vorstellungen werden in manchen Quellen vermutet. Bei dieser Pflanze befinden sich also die begehrten Samen im inneren der Fruchtkapsel. Die Sesampflanze könnte also für die „Räuberhöhle“ stehen, welche man öffnen möchte, um an die Samen, welche hier durch den Schatz dargestellt werden, zu kommen.

„Alle Kinder haben die märchenhafte Kraft, sich im Spiel in alles zu verwandeln, was immer sie sich wünschen“. Zitat: Jean Cocteau (1889-1963) bekannter französischer Schriftsteller

Im 18. Jahrhundert wandte man sich zunächst vom Volksmärchen ab. Die „Aufklärung“ bei der die „Ratio“ (der Verstand) im Vordergrund stand, soll es verächtlich zum „törichten Aberglauben“ und „Ammenmärchen“ erklärt haben. Später aber wurde erst durch die wissenschaftlich-systematische Erforschung des Unbewussten durch den Psychoanalytiker „Sigmund Freud“ (1856-1939) es möglich, eine neue Deutungsebene für Träume und Märchen (psycho-analytische Märchendeutung) zu erschließen. Leider führt dieses Thema hier zu weit, es ist aber ausführlich im „Netz“ nachzulesen.
Auch andere weltberühmte Dichter und Denker, wie z.B. „Johann Wolfgang von Goethe“ beschäftigten sich damals gerne mit mystischen und *alchemistischen Schriften, die er teils auch für seinen „Faust“ dann wiederverwendete.

*Alchemie = ist ein (ab dem 1./2. Jahrhundert) alter Zweig der Naturphilosophie und wurde im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts von der modernen Chemie und der Pharmakologie begrifflich abgetrennt – Oft wird angenommen, die „Herstellung“ von Gold (Goldsynthese) sei das einzige Ziel der Alchemisten gewesen. (Spannendes Thema: Nachzulesen bei Wikipedia)

DAS GOLDENE BUCH – Mysterium des Steins der Weisen –

„ES WAR EINMAL“…. Fantastische Geschichten, die damals weiter gegeben wurden von Mund zu Mund, von Generation zu Generation, erzählten uns von wunderschönen Prinzessinnen und verzauberten Prinzen, von gütigen Feen und schrecklich bösen Stiefmüttern, von kauzigen Zwergen und fürchterlichen Riesen, von hungrigen Wölfen und gestiefelten Katern. Oft enden Märchen damit, dass das Gute extrem belohnt und das Böse extrem bestraft wird.

„Das Märchen hat denselben pädagogischen Wert wie das Spiel. Es bringt mit seinem Außergewöhnlichen und Wunderbaren der kindlichen Einbildungskraft eine ganz neue, bisher unbekannte Welt, die durch einen poetischen Zauber verklärt ist!. Zitat: Hermann Kietz (1831- um 1900) deutscher Pädagoge.

„STERNTALER“

„Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und es waren lauter blanke Taler; und obgleich es sein Hemdlein weggegeben, so hatte es nun ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.“ – Die Sterntaler – (Auszug aus „Brüder Grimms Märchen“).
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Diese Geschichten entstanden in Zeiten, in denen sich die Menschen in ihren alten Stuben versammelten und die harte Heimarbeit mit Singen, Spielen und dem Erzählen schaurig-schöner Geschichten verbanden. Meist ältere Menschen (Omas, Tanten, Onkel) erzählten diese spannend ausgeschmückten Geschichten an den dunklen Abenden ihren Familien z.B. am lodernden Herdfeuer.

Es gab damals auf den Märkten auch schon professionelle „Märchenerzähler“: Diese wanderten von Ort zu Ort und zogen die Menschen mit ihren spannenden Erzählungen in den Bann. Ursprünglich waren diese Geschichten auch gar nicht für Kinder bestimmt. Sie dienten eigentlich zunächst nur der diskreten „Unterhaltung von Erwachsenen„. Kinder hatten keinen Zutritt.

„Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen“.
Zitat: Jorge Bucay (*1949) ist ein argentinischer Autor, Psychiater und Gestalttherapeut.



Das Märchen ist eine faszinierende „Prosaerzählung“, die wunderbare, unglaubliche, manchmal aber auch gruselige Begebenheiten zum Gegenstand hat.
In der Literatur wird zwischen den Volks- und den Kunstmärchen unterschieden. Während „Kunstmärchen“ von einem „namentlich bekannten Autor“ ausgedacht und aufgeschrieben wurden, lässt sich bei den vielen „Volksmärchen“ kein bestimmter Urheber feststellen. „Volksmärchen“ wurden zunächst über große Zeiträume hinweg immer nur mündlich überliefert.

Die Brüder „Grimm“ waren (um 1800) also dann wohl die ersten, die den Wert des Volksmärchens erkannten. Es waren: Jacob Grimm (1785–1863) und Wilhelm Grimm (1786–1859): Die Brüder Grimm nannten sich „Sprachwissenschaftler und Volkskundler“. Zum Beispiel hatten sie viele gemeinsame Veröffentlichungen all ihrer Aufzeichnungen der heute weltberühmten „Kinder- und Hausmärchen“ und dem „Deutschen Wörterbuch“ verlegt. Sie zählen zu den „Gründungsvätern“ der Germanistik (Quelle: Wikipedia).

Die Brüder Grimm „sammelten“ also (ab dem Jahr 1806) eifrig alles, was sie irgendwie bekommen konnten, von „überall“ her viele Geschichten und „Märchen“ oft aus ihrem Bekanntenkreis ( vom „Hörensagen“), aber auch aus literarischen Werken sowohl vom In-oder auch Ausland. Und sie hielten alle diese vielen Geschichten in ihren Büchern „Kinder- und Hausmärchen“ schriftlich fest. Es gab immer wieder neuere, erweiterte, (insgesamt sieben! ) Auflagen bis zum Jahre 1857 (Quelle: Wikipedia).


Stellen Sie sich vor, es gäbe ein Zaubermittel, das ihr Kind stillsitzen und aufmerksam zuhören lässt, das gleichzeitig seine Fantasie beflügelt und seinen Sprachschatz erweitert, das es darüber hinaus auch noch befähigt, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Gefühle zu teilen, das gleichzeitig auch noch sein Vertrauen stärkt und es mit Mut und Zuversicht in die Zukunft schauen lässt.
Dieses Superdoping für Kindergehirne gibt es.
Es kostet nichts…
Im Gegenteil, wer es seinen Kindern schenkt, bekommt dafür sogar noch etwas zurück:
Nähe, Vertrauen und ein Strahlen in den Augen des Kindes.
Dieses unbezahlbare Zaubermittel sind die Märchen, die wir unseren Kindern erzählen oder vorlesen. Märchenstunden sind die höchste Form des Unterrichtens.
(Prof.Dr.Gerald Hüther, Professor für Neurobiologe)

KINDER GEHEN MIT NEUGIER INS MÄRCHENLAND
»Es geht durch die Märchendichtung innerlich dieselbe Reinheit, um derentwillen uns Kinder so wunderbar und selig erscheinen. Kindermärchen sollen erzählt werden, damit in ihrem hellen und reinen Lichte die ersten Gedanken und Kräfte des Herzens aufwachen und wachsen.«


„Gemeinsam allen Märchen sind die Überreste eines in die älteste Zeit hinaufreichenden Glaubens, der sich in bildlicher Auffassung „übersinnlicher“ Dinge ausspricht. Dies „Mythische“ gleicht kleinen Stückchen eines zersprungenen Edelsteins, die auf dem von Gras und Blumen überwachsenen Boden zerstreut liegen und nur von dem schärfer blickenden Auge entdeckt werden“.
Zitat: Wilhelm Grimm (anno 1856)
Quelle: Kulturgeschiche des mündlichen Erzählens: Kultur-und Hausmärchen: Anmerkungen zu KHM 1856, Bd. 3, S.409. (Dieser Beitrag wurde am 14. November 2011 von Urs in Betrachtungen, Märchen, Theorie, Weisheiten, Zitate, Verse veröffentlicht. Schlagworte: Brüder Grimm, Grimm Wilhelm, KHM).
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Volksmärchen“: Diese sind hervorgegangen aus den vielen überlieferten Erzählungen des Volkes. Es gibt spannende, unterhaltsame, sich oft ähnelnde Prosa-Erzählungen von fantastisch-wundersamen Begebenheiten, „ohne zeitliche und räumliche“ Festlegung.
Zum Beispiel immer mit dem gleichen Konsens: „Es war einmal…. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…Bei den sieben Zwergen „hinter den 7 Bergen“ oder „vor einem großen Walde“: Hänsel und Gretel usw. Oft gibt es aber nur die „Personen“-Bezeichnung „Kind“ oder „Brüderchen und Schwesterchen“ oder „Mann“ oder „Frau“.

Weitere typische Märchen-Merkmale sind: Das plötzliche, dramatische Eingreifen „übernatürlicher Kräfte“ in das ganz normale tägliche Leben oder z.B.: Ein verzaubertes Spinnrad bei „Dornröschen“ beeinflusst hier z.B. völlig die ganze Handlung des Märchens.


„Alle Märchen sind von jener heimatlichen Welt, die irgendwo, überall und nirgends ist“. Zitat: „Novalis“ – eigentlich Georg Philipp Friedrich von Hardenberg – (1772-1801) war deutscher Schriftsteller der Frühromantik und Philosoph.

Ein berühmter irischer Dichter und Märchenerzähler war z.B. auch „Oscar Wilde“ (1854–1900). Er ist heute „unsterblich“ geworden durch seine „Kunstmärchen“ dessen bekanntestes wohl „Das Gespenst von Canterville“ ist. Zu seiner Zeit war er aber vor allem eher als Dramatiker bekannt und erfolgreich.
Für „Max Lüthi“ (1909-1991, bekannter Schweizer Literatur-Wissenschaftler und Märcheninterpret des 20. Jahrhunderts) sind die typischsten Wesens- und Stilzüge des „Märchens“ die Folgenden:
Es sind typisierte Figuren (meist Helden) ohne seelische Tiefe, die völlig in der Isolation leben. Es gibt auch immer „ jenseitige“ Helfer der Helden: Das „Diesseits und das Jenseits“ stehen ganz selbstverständlich mit den Helden immer in engem Kontakt.
Beispiel: Das „Einhorn“ hat unglücklicherweise ein Horn in einen Baumstamm eingeklemmt und das tapfere Schneiderlein steht daneben und hilft ihm: Ein typischer Märchenheld ist hier dieses tapfere Schneiderlein“ und dieKönigliche Hochzeit“ findet dann auch sein typisches Ende: „Der Held bekommt endlich seine geliebte Prinzessin“.

„Tiefere Bedeutung liegt mehr in den Märchen meiner Kinderjahre als in der Wahrheit, die das Leben lehrt“. Zitat: Friedrich von Schiller (1759-1805) war einer der bedeutendsten deutschen Dramatiker, Lyriker und Essayisten, sowie Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker.

Die Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm umfasst neben den Märchen aber auch anderes „mündliches“ Erzählgut, wie zum Beispiel: „Sagen, Legenden oder Fabeln“. Die Brüder Grimm lebten in der Epoche der Romantik und waren ja selbst – wie erwähnt – nicht die Autoren der Märchen, sondern vor allem die unermütlichen Sammler und Herausgeber dieser überlieferten Geschichten, die sie aufschrieben.
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Laut „André Jolles“ (1874-1946), ein niederländisch-deutscher Literatur- und Sprachwissenschaftler, handelt es sich bei den Grundtypen dieser sprachlichen Gestaltung (Märchen, Mythos, Sage, Legende, Witz, Rätsel und so weiter) um die sogenannten „Einfachen Formen“. Charakteristisch für diese sind unter anderem „simple“ Erzähl-Geschichten und Grundmotive, die ein Jeder verstanden hat, sowie ein recht schlichter Sprachduktus, den damals vor allem auch jeder ohne besondere Schulbildung begriff.
Unsere alten „Märchen“ sind heute eine bedeutsame und sehr alte Textgattung in der mündlichen Überlieferung und traten schon immer in allen Kulturkreisen auf unserer Erde auf.


Es gibt Momente, da kannst Du sie sehen: Die Zeichen der Zwerge, der Elfen und Feen. Erkennst ihre Spuren in mondheller Nacht, vernimmst das Geflüster der Faunen, beobachtest sprachlos vor Staunen das Einhorn und hörst wie die Quellnymphe lacht. Es gibt Momente, da die Mythen erwachen …“ Gedicht: Anita Menger (*1959). Die Nornen (altnordisch nornir) sind in der nordischen Mythologie schicksalsbestimmende weibliche Wesen, von denen einige von Göttern, andere von Zwergen oder Elfen abstammen sollen. (Wikipedia)

Märchen haben meist aber auch eine ganz bestimmte, feste Erzähl-Form: Also am Anfang steht: „Es war einmal“, am Ende liest man dann etwas Moralisches, und „wenn sie nicht gestorben sind, dann leben Sie noch heute“. Märchen sind auch „keine“ Kurzgeschichten, denn Kurzgeschichten erzählen sehr oft nur eine einzige Episode mit einem überraschenden Ende, während Märchen ja meist ein ganzes dickes Buch füllen können.
Kurzgeschichten“ dagegen sagen keinesfalls etwas aus über das „Genre“ („Genre“ = französisch: „Gattung“: Es ist ein Begriff der Kunstwissenschaften, wie der Literatur oder Malerei als Beispiel).

Kurzgeschichten können auch z. B. ein Thriller, Fantasy, SciFi, eine Komödie oder Tragödie sein. Die Geschichte ist halt nur kurz = eine Kurzgeschichte.
Genauere Abgrenzungen und Unterschiede zwischen Märchen und anderen „Einfach-Erzähl-Formen“ (Sage, Legende und Fabel) werden nun im Folgenden beschrieben.


Stellen Sie sich vor, es gäbe ein Zaubermittel, das ihr Kind stillsitzen und aufmerksam zuhören lässt, das gleichzeitig seine Fantasie beflügelt und seinen Sprachschatz erweitert, das es darüber hinaus auch noch befähigt, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Gefühle zu teilen, das gleichzeitig auch noch sein Vertrauen stärkt und es mit Mut und Zuversicht in die Zukunft schauen lässt. Dieses Superdoping für Kindergehirne gibt es. Es kostet nichts, im Gegenteil, wer es seinen Kindern schenkt, bekommt dafür sogar noch etwas zurück: Nähe, Vertrauen und ein Strahlen in den Augen des Kindes. Dieses unbezahlbare Zaubermittel sind die Märchen, die wir unseren Kindern erzählen oder vorlesen. Märchenstunden sind die höchste Form des Unterrichtens. ZITAT: Prof.Dr.Gerald Hüther, Professor für Neurobiologe (*1951) ist auch Autor populärwissenschaftlicher Bücher und anderer Schriften.

Definition „Sage“:

Was ist eine Sage? (Herkunft: vom Althochdeutschen: „saga“, Gesagtes; Wohl eine Prägung durch die Brüder Grimm?). Der Begriff „Sage“ gilt als Sammelbezeichnung für eine bestimmte Art der Volkserzählung.

Das Wort an sich ist der Sammelbegriff für alle „mündlich“ überlieferten Geschichten. Die Sagen schöpfen aus dem gleichen Erzählungs-Bereich (mystische „Zauberwesen“ wie zum Beispiel „Zauberer“) und dem Motivschatz (als Beispiel das „Erlösungsmotiv“) wie das Märchen. Sie sind ebenso anonym und eben nur mündlich überliefert.
Während im Märchen „Diesseitiges und Jenseitiges“ selbstverständlich miteinander verkehrt, wird in der Sage die „Dies- und die Jenseitige Welt“ völlig getrennt, denn im Gegensatz zum Märchen haben die „Sagen“ einen „höheren Realitätsanspruch“, welcher unter anderem durch die ganz „genaue Lokalisierung und Datierung“ erreicht werden sollte.
Im klassischen Märchen fehlen solche genauen lokalen, geographischen und historisch datierten Bezüge völlig.

Die „Sagen“ wurden ebenso immer nur mündlich überliefert: Sie enthalten in der Regel einen „wahren Kern“, sie gehen also auf wahre Begebenheiten zurück und versuchen deren Ursache und Ablauf zu erklären. So geben Sagen beispielsweise für (zu damaligen Zeiten) „unerklärbare Naturphänomene“ Erklärungsversuche, auch wenn diese oft frei erfunden wurden! Unsere „Sagen“ spiegeln also auch den jeweiligen Stand „volkstümlicher Glaubensvorstellungen“ wieder und besitzen daher auch einen „hohen Aussagewert“ in religions- und sozialgeschichtlicher Hinsicht.

Es gibt bei den Sagen aber doch auch recht häufig echte „reale historische Bezüge“ bei diesen (zunächst nur auf mündlicher Überlieferung basierenden, kurzen) Sagen-Erzählungen von unglaublich fantastischen, die Wirklichkeit völlig übersteigenden Ereignissen. Da diese tatsächlich mit realen Begebenheiten, Personen- und Ortsangaben verbunden werden konnten, entsteht der feste Eindruck eines Wahrheitsberichts. Themen und Motive wurden häufig auch von anderen Völkern und Kulturen übernommen (sog. Wandersagen) und oftmals auch mit den ganz eigenen landschaftlichen und zeitbedingten Eigentümlichkeiten und Anspielungen vermischt.

„WISSEN WIRKLICH NUR NOCH DIE MÄRCHEN das einzig nur die Liebe die Kraft besitzt, uns glücklich zu machen?“ – Zitat: Eugen Drewermann (* 20. Juni 1940 in Bergkamen) deutscher Theologe, Psychoanalytiker und Schriftsteller.

Die ursprünglichen Verfasser von „Sagen“ sind in der Regel unbekannt, es gibt aber immer ganz exakte Orts- und Zeitangaben (hoher Realitätsanspruch!). Man spricht auch von „Überlieferungen“, die bei ihren Wanderungen von Volk zu Volk durch das dichterische Vermögen des jeweiligen Volksgemüts auch umgestaltet wurden.

Teilweise kommt es sogar (mit dem Auftreten von „überirdischen“ Sagenwesen) zur völligen „Aufhebung von Natur- und Kausalgesetzen“. Es bleibt aber doch hier immer bei einer deutlichen Trennung von der dies- und der jenseitigen Welt.

Die Handlung oder der Inhalt wird oft bestimmt von „historisch-belegten“ Ereignissen, auf welchem die Sage beruhen soll und auch ganz realen“ bekannten Schauplätzen. Personen werden oft auch „namentlich“ genannt, manchmal haben sie aber nur Bezeichnungen (eine Jungfrau, der Rattenfänger, usw.).

Allerdings ist die Abgrenzung vor allem zwischen mythologischer“ Sage und einem echten Märchen unscharf:
Als Beispiel hierfür ist das ursprünglich wohl aus Italien stammende Märchen „Dornröschen“, das z.B. von Friedrich Panzer (1870-1956, deutscher Germanist) als märchenhaft ‚entschärfte‘ Fassung der Brünnhilden-Sage aus dem Umkreis der „Nibelungensage“ (anno 1200) angesehen wurde. Dabei könnte man die „Waberlohe“ als zur „Rosenhecke“ verniedlicht und die „Nornen“ als zu Feen verharmlost ansehen. Friedrich Panzer trat konkret „in der Nachfolge der Gebrüder Grimm“ immer für die Vermittlung von Sagen und Volksliedern als Quell des „Deutschtums“ in der kindlichen Seele ein. (Wikipedia)
Anmerkung: Die Nibelungensage ist eine im germanischen und skandinavischen Raum weitverbreitete Heldensage, die über Jahrhunderte in zahlreichen voneinander abweichenden Fassungen überliefert ist. Die Ursprünge der Sage sollen sogar bis in das so genannte heroische Zeitalter, der Völkerwanderung oder bis „Platon“ und in die antike griechische Götterwelt zurückreichen. Die spannende griechische Mythologie ist bestens ausführlicher nachzulesen bei „Wikipedia“, da ich hier kein Experte bin.

Etwa in den Märchen die kleine Seejungfrau von Hans Christian Andersen wurden die feenartigen Wesen sowohl in ihrer Tragik als auch in ihrer Größe und Stärke geschrumpft. Diese Verniedlichungen zeigt sich auch in den typischen Märchenillustrationen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Als starke Frau tritt die Fee erst wieder in modernen Märchen und fantastischen Erzählungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf.


Die modernen“ Sagen unserer heutigen Zeit (Vom Hören-Sagen“):

Auch heutzutage entstehen noch immer wieder neueSagen“: Sie üben auf uns eine besondere Faszination aus: Viele Ereignisse werden als wirklich „wahre Begebenheiten“ erzählt. Oft erfährt man solch eine Geschichte von einem Bekannten, der versichert, dass er erst neulich von einem anderen Bekannten erfahren hat, was tatsächlich passiert sei. Beim Weitererzählen werden natürlich Wahrheit und Erdichtetes immer stärker vermengt (wie bei der „Stillen-Post“).
Alle Sagen haben meist „nicht religiöse“ Inhalte als Kern und können auch anekdotenhaft von Helden oder bekannten Persönlichkeiten unserer Zeit erzählen. Sie basieren also meist auf der höchst „interessanten“ Biografie einer Person.


Definition „Legende“:

Der Begriff „Legende“ stammt aus dem Lateinischen (legenda) und lässt sich in etwa mit „das zu Lesende“ übersetzen:

Als Legende wird ein erzählender Text bezeichnet, der mit den Begriffen „Märchen“, „Sage“, „Mythos“ und „Fabel“ verwandt ist. Die Legende betrifft in ihrer ursprünglichen Bedeutung meist ein religiöses Ereignis oder einen Bericht aus dem Leben und Wirken eines Heiligen. Dies wurde vor allem kirchlich an seinem Jahrestag der Bevölkerung erzählt, um bedeutsame religiöse Ereignisse (Wunder, Heilungen, Kämpfe etc.) kundzutun. Die „Helden“ sind meist Märtyrer, Orden Stifter, Heilige, Mönche oder Wunderheiler.
Bekannte „Legenden-Beispiele“ sind: Der heilige St. Martin (* 316 n. Chr. in Ungarn und † 397 n.Chr. in Frankreich, er war Bischof von Tours) oder auch der heilige Nikolaus: Er war Bischof von Myra aus Kleinasien (* 270 – † 343 n. Chr.) Über das Leben des „historischen“ Nikolaus gibt es nur wenige belegte Tatsachen. Er lebte wohl südwestlich von Antalya in Demre – der heutigen Türkei.
Es gibt aber auch die „Volkslegende“, die mit der „Volkssage“ eng verwandt ist. Diese ist aber „nicht christlich“ motiviert, handelt meist von berühmten Helden und bedeutsamen „Vorbildern“ für die Menschen. Die Volkslegenden haben meist einen wahren historischen Kern, wurden aber später dann als völlig übertriebene Darstellungen weitgehend „verklärt“.

„Die Legende macht den Helden. Und der Held macht die Geschichte.Um dich ranken sich Geschichten, die man erzählt und niederschreibt, bis zwischen Märchen und Legenden eine Wahrheit bleibt“.

Zitate aus „Elisabeth, „Elisabeth – Legende einer Heiligen“

„Die Legende“ beinhaltet genauso wie die Sage ebenfalls einen „wahren Kern“. In ihr werden meist vorbildhafte Lebensgeschichten oder Geschehnisse von „Heiligen“ dargestellt. Diese „religiöse Dimension“ macht eine „Legende“ aus und grenzt diese somit zum Märchen ab. Wie die Sagen sind Legenden in der Regel mit einem bestimmten Ort verknüpft.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Sagen und Legenden liegt in der engen Beziehung der „Legende“ zur literarischen Tradition und der Tatsache, dass es in den Erzählungen hauptsächlich um „überragende“, religiös-sittliche Persönlichkeiten und Heilige geht.
„Legenden“ werden auch als kirchlich-religiösesGegenstück“ zur Sage bezeichnet. Die Unterschiede zum Märchen sind demnach unter anderem der historische Bezug, die realen Schauplätze sowie die namentlich benannten Personen. Der Unterschied zwischen Sage und Legende ist ansonsten eher gering.

SPRACHLICHER BEDEUTUNGSWANDEL IM LAUFE DER ZEIT:
Der heute moderne Ausdruck „LEGENDÄR“ bedeutet dagegen: „Erstaunlich, unwahrscheinlich, unglaublich, sensationell“ z.B. die legendäre Selbstlosigkeit dieser Frau“ oder: „die nächste Party wird „legendär“. Hier gibt es als Beispiel heute eine völlig andere Wort-Bedeutung: „Diese italienische Marke ist legendär“. Oder: „Die Abende können nicht immer legendär sein. Wenn alle Abende legendär werden, wäre kein Abend legendär! Zitat: Ted Mosby (aus der TV-Sendung: How I Met Your Mother). 😉

Das gleiche Phänomen des Bedeutungswandels findet sich übrigens auch bei dem Begriff: „Sagenumwoben“ oder „sagenhaft“: Einst in vielen Sagen vorkommend und heute im übertragenen Sinne, eher gehoben: „z.B. die sagenumwobene „Greta Garbo“ war geheimnisvoll, legendär. Beispiele: Mit seinem „sagenhaften“ Gedächtnis…oder: man genießt den „sagenhaft“ schönen Sonnenaufgang. Oder: „Märchen sind „sagenhaft“ schön“…Mythische Synonyme sind: sagenumrankt, geheimnisvoll…(Wiktionary).
DAS IST ALLES EINFACH GANZ “ SA-GEN-HAFT “ Ähnliches findet man auch bei dem Begriff „Fabel“.


„Das Märchen oder die Fabel haben mehr pädagogischen Wert als das Spiel. Es bringt mit seinem Außergewöhnlichen und Wunderbaren der kindlichen Einbildungskraft eine ganz neue, bisher unbekannte Welt, die durch einen poetischen Zauber verklärt ist“. Zitat: H. Kietz, deutscher Pädagoge des 18./19. Jh.


Definition „Fabel“:

Die Fabel ( (lateinisch „fabula“: Geschichte, Erzählung) ist eine erdichtet – erfundene lehrhafte, meist witzig – satirische Tiergeschichte und bezeichnet eine in Versform oder Prosa verfasste, kürzere Erzählung mit belehrender Absicht, in der vor allem Tiere, aber seltener auch Pflanzen und Dingliches oder fabelhafte Mischwesen menschliche Eigenschaften besitzen. Die Personifikation der Tiere diente dem Autor häufig als Schutz vor Bestrafung o. Ä., denn ER übt ja keine direkte Kritik, etwa an Zeitgenossen. (Wikipedia)

Die Fabel hält den Menschen einen Spiegel vor. Durch Eitelkeit oder das Wort eines Schmeichlers können wir z. B. „etwas verlieren“, das uns wichtig ist. Die Fabel will belehren und unterhalten (fabula docet et delectat).

Die Fabel ist der Liebe Heimatwelt, gerne wohnt sie unter Feen, Talismanen, glaubt gern an Götter, weil sie einfach göttlich ist“. „Zitat“: Friedrich Schiller (1749-1805). Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Dramatiker, Lyriker und Essayisten.
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Und die Moral von einer „Fabel-Geschichte“ kann beispielsweise sein: „Hüte Dich vor Schmeichlern und oder sei nicht eitel“. So werden die menschlichen Eigenschaften oftmals satirisch aufgegriffen und dadurch verdeutlicht oder völlig übertrieben.
Fabeln“ sind knappe, lehrhafte Erzählungen, in denen vorwiegend Tiere oder Pflanzen in einer bestimmten Situation so handeln, dass sofort eine Parallele zu menschlichen Verhaltensweisen deutlich wird. (z.B. bei Fabeln von „Jean de La Fontaine“). Diese Lösung beinhaltet in der typischen Fabel ebenso eine belehrende Moral. Der dargestellte Einzelfall dient also als Beispiel, aus welchem eine allgemeingültige Regel, Moral oder Lebensweisheit abzuleiten ist.
Häufig werden grundsätzliche Dinge angeprangert, wie „Gier, Neid, Unfairness oder Eitelkeit“ .
Die Tiere haben also „menschliche“ Charaktereigenschaften: So ist der Fuchs meist „gerissen und schlau“, der Rabe ist „eitel“, der Bär ist „gutmütig und freundlich“, wohingegen der Wolf der Inbegriff des „Bösen“ ist. Er lügt, wirkt bedrohlich und dabei auch manchmal sehr listig. Fabeln sind übrigens meistens sehr kurz und bestehen manchmal nur aus wenigen Zeilen.


DIE BREMER STADTMUSIKANTEN: Es ist ein Volks-Märchen der Brüder Grimm, das dem Literatur-Typ der „Fabel“ ganz verwandt ist.
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„Da aber ratschlagten die Tiere, wie sie es anfangen müssten, um die Räuber hinauszujagen und fanden endlich ein Mittel. Der Esel musste sich mit den Vorderfüßen auf das Fenster stellen, der Hund auf des Esels Rücken springen, die Katze auf den Hund klettern, und endlich flog der Hahn hinauf und setzte sich der Katze auf. Sowie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen alle zusammen an, ihre Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute und der Hahn krähte.“  Zitat aus: „Die Bremer Stadtmusikanten“ Das Märchen, welches eigentlich eine FABEL ist…
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Beliebte Fabeln sind als Beispiel auch: „Reineke Fuchs“ von Johann Wolfgang von Goethe, „Der Wolf und der Schäfer“ von Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), „Die Eichel und der Kürbis“ von Jean de La Fontaine (1621–1695), „Die zwei Ziegen“ von Albert Ludwig Grimm (1786-1872), „Vom Fuchs und Raben“ von Aesop (um 600 v. Chr.) und viele mehr…


Weitere bekannte „Fabeldichter“ waren:
Martin Luther
(1483–1546), Hans Sachs (1494–1576), Johann Heinrich Pestalozzi (1746–1827), Wolfdietrich Schnurre (1920–1989) und viele andere mehr…

Häufig werden „Tier-Märchen“ mit „Tier-Fabeln“ verwechselt, wobei die Fabel-Formen sich in zwei Merkmalen „deutlich“ unterscheiden:
1). Fabeln verfügen in der Regel über einen „namentlich“ bekannten Verfasser (z.B. Aesop, Lessing). Bei „Tiermärchen“ sind sowohl Verfasser, Entstehungs-Zeit und -Ort unbekannt.
2). Fabeln enthalten eine (meist sogar explizit im Text formulierte) gewisse „Moral“ und gehören somit zur didaktisch-reflexiven „Zweckdichtung“: Hier wird ein Übergang zwischen der alltäglichen Lebenswelt und den kindlichen Lernprozessen „bewusst“ geschaffen.
Fehlt diese bewusste Zweckausrichtung völlig, nähert sich die Fabel eher dem Märchen an. (Quelle: WORTWUCHS | Literaturlexikon).

Guten Tag, mein Name ist Träumer, Ich sitze so schön auf meiner Schaukel und wünsche mir etwas Gesellschaft!  „Schön sie kennen zu lernen, mein Name ist Realität. Tut mir leid, momentan habe ich keine Zeit, gehen sie doch mal zur Frau Illusion, sie hat sicherlich Lust auf eine Unterhaltung mit Ihnen.“ „Ach, das ist aber schade. Jedoch vielen Dank für die Information. Man sieht sich.“ „Das denke ich eher nicht.“ Und schnell weg war Frau Realität. Doch Herr Träumer und Frau Illusion wurden glücklich und zufrieden und leben heute in einem Luftschloss, gleich links neben dem Herrn Selbstbetrug.“ (Autor unbekannt)
EINE MÄRCHENHAFTE PARABEL: Eine literarische Parabel ist eine lehrhafte, auf einem Vergleich beruhende Dichtung: Z.B. „Etwas durch eine oder in einer Parabel ausdrücken oder in eine Parabel kleiden“ . (Zitate und Sprüche: Quelle: www.likemonster.de)

Begrifflichkeiten im Wandel der Zeit:
Vom Begriff „Fabel“ abgeleitet sind „fabelhaft“ oder „fabulös“: Übrigens war der absolute Hit der ehemaligen „Jugendsprache“ zwischen etwa 1900 und 1930 das Wort: << FA-BEL-HAFT >>.
Im englischen Sprachgebrauch heißt es: „fabulous“ umgangssprachlich: „great“ und französisch: „fabuleux“ (formidable).
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Jede Epoche hat ihre eigenen Modewörter, die einem ständigen Bedeutungswandel erliegen. Ab den 1960er Jahren war dann alles bei uns nicht mehr so „märchen-fabel-legendenhaft“: Es gab Jugendwörter, die irgendwie rätselhaft klangen: Oder weiß noch jemand, was eine „Anodenwumme“ ist (= Kofferradio, 1950er-Jahre), oder ein Dämlack (Trottel, 1960er-Jahre) oder eine Ische (feste Freundin, 1970er)? Tatsächlich gab es aber schon lange vor dem Internet „elektronische Kommunikation“ und Netze, in denen Smileys und Abkürzungen benutzt wurden.

Hör mal, Alter! Es gibt ständig immer wieder ganz andere neue Wortschöpfungen bei den „Jugendwörtern“. Früher war alles: Total „Toll“, „Klasse“, „Super“, „Irre“, „Fett“ (=sehr gut) oder „Geil“, später dann „hamma“, „Bombe“, „voll cool“, „Abgefahren“, Wahnsinn“. Heute eher „Krass“ und „Nice“, „LOL“ oder jetzt ist alles nur einfach „MEGA“...ich glaube, das ist schon wieder „Out“…mal sehen, wie es so weiter geht mit den „ANGLIZISMEN“ und unserer neuen, alten Sprach – oder der Polit – Sprech – Hitparade.

P.S.. „LOL“ bedeutet „laughing out loud“ (dt: laut auflachen): Es ist ein Wort aus dem Netzjargon und wird als Reaktion auf etwas Lustiges oder Außergewöhnliches, aber auch für „auslachen“ gebraucht. Es ist ein typisches Wort aus der Sprache von Chat-, SMS-, WhatsApp, Facebook usw.  „Das war jetzt aber voll lol.“ 😉


Wer möchte nicht gerne manchmal in fantastische Märchenwelten eintauchen und die reale Welt vergessen….eine Träumerei…gedankenverloren?

Nun gibt es als Abschluss noch kurz den bekannten Begriff „MYTHOS“:

Ein Mythos erklärt uns gewissermaßen die Welt: Vor allem ist dieses Wort uns heute aus der griechischen oder römischen „Mythologie“ vertraut. Hierbei werden Sachverhalte sowie Zusammenhänge durch „Götter, Helden oder Fabelwesen“ erklärt, wie beispielsweise die Erschaffung der Welt oder das Leben nach dem Tod. Der Mythos ist somit eine Form der (religiösen) Weltdeutung (Götter-Dämonen der Vorzeit) und gibt oft Antworten auf die Urgeschichte der Menschheit. Mythen haben (ähnlich wie die Sagen und Legenden) dabei stets einen „Wahrheitsanspruch“, erheben also den wichtigen Anspruch, „wirklich“ wahr zu sein. (Quelle: wortwuchs.net)
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Nicht „mythisch“, aber „legendär“ ist auch folgender Spruch: „Honi soit qui mal y pense“ , bedeutet soviel wie „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“: Als Urheber dieser Sentenz gilt der Gründer des Hosenband-Ordens, König Edward III. von England (1312–1377). Mangels auffindbarer Urkunden aus der Zeit vor 1416 kam es zu vielen Legenden. Der bekanntesten Legende zufolge soll Edward bei einem Ball seiner Geliebten, der Countess of Salisbury, mit diesen Worten zum Vergnügen der Anwesenden ein beim Tanz verlorenes Strumpfband zurückgegeben haben. Der obige Satz ist die Devise des englischen Hosenbandordens! Eine Legende? – Jawohl! – denn „die Legende“ beinhaltet – wie wir hier im Blog (oben) gelesen haben – genauso wie die Sage  einen „wahren Kern“ und ist in der Regel – wie hier – mit einem bestimmten Ort verknüpft und es geht hauptsächlich um eine „überragende“ Persönlichkeit.

In vielerlei Hinsicht haben nun unzählige dieser mythischen oder märchenhaften Geschichten auch später Einzug in unseren heutigen Sprachgebrauch gehalten. So leiten sich auch als bekanntes Beispiel der Ödipuskomplex und der Narzissmus zum einen von einer Gestalt der griechischen Mythologie und zum anderen von der märchenhaften Erzählung „Narziss und Goldmund“ (Hermann Hesse) ab.
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Nun habt Ihr alle mal wieder „mit viel Geduld“ ein wenig über unsere Märchen & Co. nachgelesen, was vielleicht „in der Erinnerung verschüttet“ war und vielleicht wieder neu erfahren, wie die Unterschiede zwischen den einzelnen Genres sind und vor allem wie wichtig diese doch auch für uns alle sind bzw. einmal waren:
„Alles hat seine Zeit“ : Ein Spruch, dessen Bedeutung man bei längerem Leben immer mehr anerkennen lernt; diesem nach gibt es „eine Zeit zu schweigen, eine andere zu sprechen“. „Zitat“: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832). Er gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer deutschsprachiger Dichtung.

Alles hat seine Zeit. Jedes Ding hat seine Stunde unter dem Himmel…“ (Bibel-Text in Prediger 3 des Alten Testamentes)

Die Burg Eltz in Wierschem (Eifel) ist eine gut erhaltene Höhenburg aus dem 12. Jahrhundert. Sie sieht aus wie ein richtig verzaubertes Märchenschloss. Ob hier wohl Dornröschen gewohnt hat?
(Bild: Wikipedia)

Märchenwelt
Großmutter nahm das Buch zur Hand
und ihre Stimme, warm und klar,
entführte uns in eine Welt,
die fremd und voller Zauber war.
Wir flogen mit den sieben Raben und standen vor dem Knusperhaus,
dann folgten wir dem kleinen Muck in die weite Welt hinaus.
Wir kamen ins Schlaraffenland,
wo Milch und süßer Honig fließt
und spürten wie die Erde bebt
wenn unverhofft ein Riese niest.
Wir hatten Angst um das Schneewittchen
als es die Apfelhälfte nahm
und freuten uns mit Aschenputtel,
als diese ihren Prinz bekam.
Auch nachts, als wir schon lange schliefen,
nahm eine Fee uns an die Hand
und führte uns, in unsren Träumen,
ins zauberhafte Märchenland.
Gedicht: Anita Menger (*1959)
 


„Meine Literatur-Tipps“:
Jolles, Andé (1999): Einfache Formen. Legende, Sage, Mythe, Rätsel, Spruch, Kasus, Memorabile, Märchen, Witz.
7. unveränderte Auflage. Tübingen: Niemeyer
Lüthi, Max (2005): Das europäische Volksmärchen. Form und Wesen.
11. unveränderte Auflage. Tübingen und Basel: A. Francke.


“Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit:
Wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter
ohne Märchen und Spiel leben möchten!”
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Zitat: Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900)

Er war ein deutscher klassischer Philologe (Sprach – und Literatur – Wissenschaftler). Posthum machten ihn seine Schriften aber als Philosophen weltberühmt. Im Nebenwerk schuf er auch Dichtungen und musikalische Kompositionen.
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Blog “ SAGENHAFT“ veröffentlicht am 19.9.2019