Rubrick:
GERICHTE MIT GESCHICHTE


ES WAR EINMAL…EINE KINDHEITSERINNERUNG:
Vor vielen, vielen Jahre hatte ich als Kind „süße“ Törtchen mit dem Namen „Leipziger Lerchen“ kennen und lieben gelernt.

Eine kurze Geschichte aus meiner Kindheit:

Damals – nach dem 2. Weltkrieg – als ich noch als Kind in meiner Familie im Saarland in der Französischen Besatzungs-Zone wohnte, fuhren meine Eltern öfters (für ein paar Stunden) über die Zoll-Grenze nach Deutschland (heim ins „Reich“ wie sie oft schmunzelnd sagten…). Meistens wollten sie in das – zirka 20 km weit entfernte und am Rande des Naturparks „Hunsrück“ gelegene – hübsche Städtchen Birkenfeld (Nahe) zum Einkaufen fahren, um dort einige besondere Dinge zu besorgen, wie z.B. „deutsche“ Kaffeesorten, die es im Saarland nicht zu kaufen gab…Die französische Kaffee-Röstung ist eine sehr dunkle, leicht bittere Röstung, die damals niemand von uns mochte.
Eine kurze Einkehr in einem bestimmten kleinen Café im Zentrum der Stadt (in dem es ein besonders köstliches Gebäck mit dem Namen „Leipziger Lerchen“ gab) war immer Tradition.
Die Bäckerei-Besitzer mussten wohl aus Leipzig stammen – da dieses Gebäck eigentlich in der Region eher unbekannt war.

  • Historisches in Kürze über meine alte Heimat:
  • Die Beziehungen des Saarlandes zu Frankreich regelte damals ab 1935 ein Vertrag, in dem das „Saarland“ als eigener „Staat“ anerkannt wurde, der – wie es hieß – “ in einer Art wirtschaftlichem Protektorats – Verhältnis zu Frankreich stand“. 
  • Dieser Sonderstatus des (teil-)autonomen Saarlandes dauerte bis zum 31. Dezember 1956.
  • Das Saarland (von 1920 bis 1935 Saargebiet genannt) war also nach dem Zweiten Weltkrieg ein Teilgebiet der französischen Besatzungszone.
  • Natürlich hatten wir in der Grundschule schon „Französisch“ als Hauptfach… Unsere Währung war damals bis 1956 der französische FRANC. – Wir benutzten also französisches Geld, französische Briefmarken, lernten die französische Sprache schon in der Grundschule… etc.
  • Am 27. Oktober 1956 – nach einer Volksabstimmung – schlossen die Bundesrepublik Deutschland und Frankreich das Saarabkommen, demzufolge das Saarland zum 1. Januar 1957 der Bundesrepublik beitrat. Danach bekamen wir dann erst die neue Währung der D-Mark. (Auszüge: Wikipedia)

„Erinnerungen verschönern das Leben…das Vergessen allein macht es erträglich.“ – Zitat: HONORÉ DE BALZAC (1799-1850) war ein berühmter französischer Schriftsteller.


  • In Erinnerung habe ich dort – in dem kleinen „deutschen“ Städtchen Birkenfeld (Nahe) – noch sehr gut dieses hübsche Café mit Bäckerei am Marktplatz. Meine Eltern brachten mir dann auch später noch oft von dort meine geliebten „Leipziger Lerchen“ mit, die ich damals in diesem kl. Café irgendwann einst kennengelernt hatte. Die Freude war groß…
  • Irgendwie ist dann dieses – mein damaliges – Lieblingsgebäck all die Jahre völlig bei mir in Vergessenheit geraten. Nun wollte es der Zufall, dass es von mir neu entdeckt wurde....Vor kurzem erst – las ich eines Morgens zufällig in einer Zeitung einen kurzen Artikel über dieses Gebäck…
    Wie war das noch? Leipziger Lerchen?…Da fiel mir alles wieder ein…wie schön…damals…dachte ich noch.

GERICHTE MIT GESCHICHTE:

So wurde nun die alte Geschichte zum Blog-Artikel – mit all meinen frühen Kindheitserinnerungen an diese Zeit der 50/60er Jahre – verfasst – zu Ehren des Leipziger Lerchen-Gebäcks – das (außer in Sachsen) in Deutschland wohl allgemein nicht so bekannt ist.

Das Gebäck-Rezept ist einfach zuzubereiten – der Genuss später absolut köstlich

Frisch aus den Backförmchen auf den Tisch… Hhmmm!


LEIPZIGER-LERCHEN-GEBÄCK?

Wie kam es eigentlich zu diesem etwas seltsamen Namen?

Damit diese köstliche Geschichte der „Leipziger Lerchen“ nicht in Vergessenheit gerät, möchte ich heute hiervon kurz darüber berichten.
DIE LEIPZIGER LERCHEN – sind bereits seit über 100 Jahren eine begehrte, süße Spezialität aus Sachsen:


Doch was hat diese Spezialität eigentlich mit den Singvögeln – den Lerchen – zu tun?

HISTORIE:

ES WAR EINMAL…
DIE LEIPZIGER LERCHE AUS DEM AUENWALD:

Die – nun bei uns seit über hundert Jahren bereits geschützte – Vogelart der LERCHEN – wurde seit dem Mittelalter bis weit in das 19. Jahrhundert hinein (vor allem in Europa) sehr häufig zum Verzehr gefangen und meist als feines Ragout in Pasteten zubereitet. Die Lerchen galten damals als ein sehr begehrter Gaumenschmaus, sozusagen als eine Fest-Tags-Delikatesse. Die Region Leipzig war früher jahrhundertelang gut bekannt als „Lerchen-Hauptfanggebiet“. Heute aber ist der Leipziger „Auwald“ in seiner Gesamtheit seit über 150 Jahren wieder ein ausgewiesenes weiträumiges Landschaftsschutzgebiet mit gleich mehreren Naturschutzgebieten. Wie es dazu kam, berichte ich kurz im Folgenden…

UND WEIT REISEN MIT GEPÄCK WAR DAMALS SCHON RECHT BESCHWERLICH:
Damals konnten dann die „Leipziger-Lerchen“ – wohl sicher verpackt – zuerst zwar auch noch in den guten, alten Postkutschen – aber doch schon schneller zu Beginn des 19. Jahrhunderts (ab anno 1800) sogar schon in Lokomotiven die weiten Reisen in alle Welt antreten. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde die Schienentechnik fortentwickelt. Dem britischen Erfinder und Ingenieur Richard Trevithick gelang es bereits 1804, eine brauchbare Lokomotive zu konstruieren.


So sind damals in Leipzig und Umgebung die Lerchen zu Hunderten sofort nach dem Fang gerupft worden, einzeln in Papier gewickelt und in hölzernen Spezial-Kisten verschickt worden – zuerst – wie gesagt – wohl noch mit Postkutschen im Huckepack…später dann also mit der neuen, „modernen“ Eisenbahn…


Diese kleinen Singvögel galten bis dahin – bei wohlhabenden Bürgern – als absolut begehrte Delikatesse. Die Vögelchen wurden jährlich zu hunderttausenden verspeist. Man jagte sie meistens in den Herbstmonaten in den weiträumigen Leipziger Auenwald-Gebieten. Damals wurden sie überwiegend im Spätherbst – vor ihrem Abflug in den Süden – gefangen, vor allem bei ihrer kurzen Rast zwischen Elbe und Saale – waren sie eine leichte Beute. 
Später wurden sie dann – gegart und in Form von herzhaft gefüllten Pasteten zubereitet – zu einem ganz besonders begehrten bzw. beliebten Gaumenschmaus.


Die Feldlerche (Alauda arvensis)

Feldlerchen richten in Erregung ihre gesträubten Scheitelfedern zu einer Haube auf; sie sollten daher nicht mit ihrer Verwandten, der Haubenlerche, verwechselt werden. Der aufsteigende Spiralflug einer Feldlerche endet in 50 bis 60 Metern Höhe, und nach zwei Minuten Gesang erreicht der Vogel dann fallschirmartig wieder den Boden. Lerchen sind Bodenbrüter mit einem offenen Nest, was zur Folge hat, dass eine ganze Reihe von Feinden einen leichten Zugang zu ihrem Gelege hat, die durchaus für die Nestlinge eine große Gefahr darstellen. (Wikipedia)

Am Trillern erkennt man die Lerche“ .
(Sprichwort)



Die „Leipziger Lerche“ ist heute

ein genussreiches Stück „Stadt-Geschichte“ …

  • Diese seltene Delikatesse geht also ursprünglich auf diese Lerchen-Spezialität, den herzhaften und sehr beliebten Gaumenschmaus im 17./18. Jahrhundert zurück: Die köstlich gefüllten Feld-Lerchen wurden in kleinen Teig-Pasteten-Formen – noch im großen Holz-Ofen – gegart. Man benutzte zum Anfeuern im Holzofen meist Reisigbündel.
  • Beste Köche servierten die Vögel damals gefüllt – beispielsweise mit Speck, Ingwer und Muskat gewürzt – eingewickelt in Lorbeerblätter und in braun zerlassener Butter gebraten. Als Ragout wurden sie auch häufig in einen pikant gewürzten Pasteten-Teig gefüllt und hübsch zum Verkauf verziert und gut verpackt.
  • Die Leipziger liebten dieses Festtagsgericht über alles, sodass die Jagd auf die Vögel im sächsischen Raum überhandnahm. Unzählige Rezepte für die Leipziger-Lerchen-Vögel fanden sich schon im 18. und 19. Jahrhundert in jedem bekannten Kochbuch (Rezept aus Großmutters Kochbuch siehe unten zum Schluss).
  • Millionenfach wanderten damals also die Heide- und Feld-Lerchen aus dem Leipziger Land im 17./18. Jh. in die Bratpfannen und Räucherkammern“ und wurden anschließend (natürlich auch zum eigenen Gebrauch) schön sicher mit den (heute berühmten) überkreuzten Speck-Bändern als „Balg“ in stabile Schachteln verpackt und verkauft, aber auch oft vor allem z.B. nach Russland exportiert.
  • In den alten sächsischen Kochbüchern zwischen den Jahren 1712 und 1850 findet man noch heute Erstaunliches: Z.B. Rezepte für das Gericht: Lerche am Spieß.

Viele meiner Rezepte – hier in den diversen Blog-Artikeln – stammen auch aus dem uralten Lieblingskoch- und Backbuch meiner Großmutter Christina Röcking (1892-1981) aus Aschaffenburg am Main. (siehe Lerchen-Rezepte und Bilder vom Buch am Blog-Artikel-Ende)


Unglaublich heutzutage, wie viele Lerchen-Vögel dabei ihr Leben lassen mussten!

Aus dem Jahre 1720 ist aus der „Historie“ bekannt, dass allein im Monat Oktober über 400.000 Lerchen gefangen wurden. Die wohlhabenden Leipziger, die dieses Festtagsgericht von den sog. „Lerchenfrauen“ im Leipziger „Salzgässchen“ erwarben, konnten davon kaum genug bekommen.

Doch bald empörten sich immer mehr Tierschützer und Vogelfreunde über diese Gaumenfreude. Schließlich verbot der sächsische König Albert von Sachsen (* 23. April 1828 in Dresden; † 19. Juni 1902 in Sibyllenort) im Jahre 1876 allgemein unter hoher Strafandrohung die Jagd auf alle Heide- und Feldlerchen.


So verschwand also einst – vor über hundert Jahren – die Leipziger Lerche mit Recht ganz von den Speisekarten. Die Lerchen wären heute wohl sämtlich ausgestorben, wenn nicht…der Lerchen-Fang vom König Albert von Sachsen verboten worden wäre.

Anm.: König Albert von Sachsen (* 23. April 1828 in Dresden; † 19. Juni 1902 in Sibyllenort)


Und die Lerchen fliegen wieder…

Die Lerchen:
„Welch ein Schwirren, welch ein Flug? Sei willkommen, Lerchenzug! Jene streift der Wiese Saum, diese rauschet durch den Baum. Manche schwingt sich himmelan, Jauchzend auf der lichten Bahn. Eine, voll von Liedeslust, flattert hier in meiner Brust. “ – Gedicht: Ludwig Uhland (1787-1862) war ein berühmter deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler, Jurist und Politiker.


Doch damals gab es eben – Gott sei Dank – doch noch DIE FINDIGEN „LEIPZIGER-ZUCKER-BÄCKER“ … Es hieß dort: Sächsische Schmeckleckerchen, die sächsischen Bäcker verstehen ihr Handwerk…


EIN ERSATZ für die LERCHEN
sollte also nun – nach dem königlichen Verbot – möglichst schnellstens her…

Eine echte Alternative zu den begehrten, herzhaften „Vögelchen-Pasteten“ musste also schnell erfunden werden und zwar möglichst sofort und vor allem auch aus Liebe zu den kulinarisch begehrten Vögelchen, die nun wieder in den Auen fröhlich zwitschernd fliegen durften…

  • Dringend gesucht wurde damals eine Köstlichkeit, die an die einstigen Lerchen jeden erinnern sollte:
  • Da kam also in dieser Zeit den gewitzten Leipziger Konditoren quasi als „Ersatz“ schon recht bald eine absolut glänzende Idee:
  • Aus ofenfrischem Mürbteig, Mandeln, Nüssen und Kirsch – und oder feinster Aprikosenkonfitüre bereiteten die Bäcker ein unnachahmlich köstliches Gebäck, dessen Duft allein damals alles überbot, was man je kannte…
  • Sie schufen also eine völlig neue süße Leckerei und nannten diese ganz einfach Leipziger „Lerche“:
  • Als Ersatz für die früher äußerst begehrte Fleisch-Pastete war dieses Gebäck nun ein absolut köstliches, süßes Törtchen, das genau den mit Speckbändern umwickelten „Vogelbalg“ nachbildete.

Die neue „Leipziger Lerche“ – Kreation war also geboren:

  • Um den enttäuschten Feinschmeckern also schnell einen Ersatz zu bieten, entwickelten – mit dieser „süßen“ Idee – findige Leipziger Konditoren also ein völlig neuartiges, feines Gebäck.
  • Auch heute noch füllen die Bäcker ein kleines Mürbeteig-Tartelette mit einem Klecks Konfitüre und einer köstlichen „Crème“ und verkaufen es – markant verziert – unter dem Namen „Leipziger“ Lerche. Sie ahmten auch die runde Form der Vögelchen nach, selbst die Kreuzbänder zum Zubinden der gefüllten Tiere wurden aus Teig gefertigt.
  • Die Leipziger Lerche war wiedergeboren.
  • Diese kulinarisch reizvolle Kreation erfreut sich auch heute noch im sächsischen Raum großer Beliebtheit, sonst ist sie in unserem restlichen Land eher unbekannt.
  • Nur in guten Bäckereien werden Leipziger Lerchen heute noch angeboten und – nach alten Rezepten zubereitet – sind sie ein Leckerbissen für Feinschmecker.
  • In Leipzig gibt es z.B. die „Bäckerei Jürgen Kleinert“ und die „Corso Konditorei“ – hier ist auch heute noch die Herstellung des feinen Gebäcks kaum noch wegzudenken. Hier gibt es auch einen Online Versand des Gebäcks... einfach mal googeln…

Und das Wichtigste: Die Begeisterung über diese köstlichen Törtchen hat sich – zumindest in Sachsen – bis heute erhalten: Es gibt in Leipzig tatsächlich noch viele alte Bäckerei-Familien-Betriebe, die diese Spezialität als süße, echte Leckerbissen – nach den alten Rezepten original auch heute noch zubereiten und auch in alle Welt verschicken (der weltweite Online-Handel floriert!).


Auch alte Freunde von uns aus Baden-Württemberg (Schwetzingen), die öfters in Sachsen zu Verwandten reisen, bringen diese Törtchen von dort regelmäßig mit nach Hause…wie mir kürzlich berichtet wurde.

Welcher Leipziger Bäcker eigentlich damals wohl als Erster diese kleine, feine Kalorienbombe schuf, weiß heute niemand mehr. Fest steht jedoch: Die Leipziger Spezialität ist auch heute noch – zumindest in Sachsen – in aller Munde… 😉


So ist dem damaligen König Albert von Sachsen und in der Folge dann natürlich auch den Leipziger Konditoren zu verdanken, dass die Lerchen-Vögel in Leipzig und Umgebung wieder unbeschwert in den Lüften kreisen und munter ihre Lieder trillern dürfen. Und wir alle natürlich – auch heute noch – diese kleinen süßen Kostbarkeiten genießen können….

  • Und wenn man sie hierzulande nicht überall kaufen kann…dann werden sie ganz einfach ruckzuck gebacken…das recht einfache, aber ausgesprochen köstliche (originäre) Rezept folgt hier sogleich…

Die süße „Leipziger Lerche“ Pastete ist also heute noch unverändert ein beliebtes und feines Gebäck mit sehr alter Tradition. Auf die – in Handarbeit hergestellten – Mürbeteigkörbchen, gefüllt mit einer feinen Marzipan-Crème und leckeren Konfitüre, sind die Leipziger und natürlich auch die dortigen Bäcker daher auch heute noch ganz besonders stolz.


Hier auf dem Foto: Leckeres Leipziger Lerchen-Gebäck in einfachen Muffin-Förmchen
ohne das bekannte Dekor gebacken.


Die „Leipziger Lerche“ ist somit heute noch ein wunderbares altes „Traditionsgebäck“:

  • Auf diese herrlich duftenden, aus ofenfrischem Mürbeteig mit Marzipan und Marmelade gefüllten Leipziger Lerchen-Tartelettes können sich nun mit dem alten Rezept – das ich nun hier preisgebe – alle meine Leser freuen… die dies leicht nachbacken können…
  • Das Mürbeteigkreuz auf der Oberfläche – also diejenigen „Kreuzbänder“, mit denen das bereits kulinarisch gut gefüllte Geflügel damals zugebunden wurde –   wird natürlich von mir im Rezept auch nicht vergessen.

FEINE TÖRTCHEN…feines Gebäck…


DAS REZEPT: LEIPZIGER LERCHEN

Es klingt göttlich – ein karamelliges Mandel-Marzipan „mit einem Hauch Aprikose“ (oder Kirsch), das dann mit einem köstlichen Mürbeteig überzogen und so in einer süßen Gebäckkruste enthalten ist…Zum Reinbeißen lecker… Ob helle oder dunkle Marmelade dazu gehört, ist wohl Geschmackssache. Echte Leipziger-Lerchen-Fans meinen gar: Nur die rote Marmelade symbolisiert das Herz der Lerche. Und schmecken würde sie natürlich auch nur damit richtig echt…

Diese Küchlein mit der süßen Marzipanfüllung werden in Sachsen am liebsten „geditscht“, das heißt, einfach in Kaffee oder Kakao getunkt.

EIN KLECKS MARMELADE AM BODEN DER FORM


Rezept-Zutaten:

Leipziger Lerchen

Für den 1-2-3 Mürbe-Teig:
250 g Mehl, 125 g Butter, 60 g  Zucker, 1 Ei , 1 TL Weinbrand (evtl.), 1 Prise Salz.
Für die Füllung:
200 g Marzipanrohmasse, 125 g weiche Butter, 75 g Mehl, 1 El Speisestärke, 2 Eigelb, 4 Eiweiß, etwa 5 Tröpfchen Bittermandelaroma, 6 Tl. Aprikosen-, Kirsch- oder Himbeerkonfitüre, 50 g Aprikosenkonfitüre (zum Schluss für die Oberfläche zum Bestreichen)


UTENSILIEN: Ein runder Ausstecher (11 cm Ø), 6 Brioche-Backförmchen (8 cm Ø, Höhe: 3 cm), ein Spritzbeutel mit großer Lochtülle.

BACKZEIT: Im vorgeheizten Backofen bei 180 Grad auf der 2. Schiene von unten zirka 30 Minuten backen.


Der Mürbeteig

  • Für die Teig: Das Mehl in eine große Schüssel sieben: Die kalte Butter in kl. Flöckchen schneiden, zum Mehl geben. Das Ei, den Zucker, die Butterflöckchen, Weinbrand (oder heute nehmen einige auch „Amaretto“) und eine Prise Salz nun dazugeben. Diese Teigmischung mit dem Knethaken der Küchenmaschine oder des Handrührgerätes oder mit den Händen gut (aber nur ganz kurz) homogen verkneten.
  • TIPP: Je länger man Mehl und Wasser knetet, desto mehr Gluten entsteht. Das ist z.B. beim Brotbacken so gewollt. Beim Mürbeteig stört jedoch die Glutenstruktur und macht den fertig gebackenen Teig eher (unschön) speckig. Ein richtig schön mürber Mürbeteig sollte aber nur so wenig wie möglich Gluten besitzen
  • ALSO: Nur „kurzes Kneten“ begrenzt das Quellen von Glutenproteinen. Hier wollen wir ja eine eher lockere, mürbe Struktur, also den richtig feinen „Mürbeteig“.

Den fertigen (wie beschrieben nicht zu lange gekneteten) Mürbe-Teig auf einer gut bemehlten Arbeitsfläche 3 mm dick ausrollen und 3 Teigkreise (11 cm Ø) ausstechen. Diese Teigkreise halbieren: 6 Förmchen mit etwas Butter fetten, je einen halben Teigkreis etwas rund biegen, vorsichtig in die Förmchen hineinlegen und den Teig schön gleichmäßig – mit der Fingerkuppe – auf dem Boden und in den Rundungen der Förmchen andrücken.


  • Ullas Trick: Den Teig hier – vor dem Ausrollen – nicht als Kugel kühlen, da man diesen kalten „Klumpen“ später schlecht ausrollen kann, also den „weichen“ – wie oben beschrieben – schon ausgerollten Teig vorher gut in die (leicht gebutterten) Förmchen (siehe das Foto oben) passgenau hineindrücken, einen Klecks Marmelade auf den Boden geben und dann erst die Förmchen ca. 30 Min. (mit Folie abgedeckt) im Kühlschrank kaltstellen und ruhen lassen.
  • Auch die zwölf „Lerchenstreifen“ aus dem Rest-Teig schon einmal ausrädeln:
  • Restliches Eigelb verquirlen, die separaten „Lerchen-Streifen“ damit dünn bestreichen und beiseite (nicht kühl) stellen. Sie sollten Zimmertemperatur haben, wenn sie streifig noch schön biegsam über die Törtchen gelegt werden (siehe Foto unten).

Die Füllung

  • Für die Füllung: Das Marzipan grob raspeln. (TIPP: Man kann das Marzipan vorher 30 min. tiefkühlen, dann lässt es sich viel besser reiben).
  • Die weiche Butter mit den Quirlen des Handrührers schön schaumig rühren:
  • Das geraspelte Marzipan nach und nach zugeben, sowie die restlichen Zutaten wie Mehl, Stärke, 1 Eigelb und ein paar Tröpfchen Bittermandelaroma. Den Teig nun 2-3 Minuten weiterrühren, damit sich alles verbindet.
  • Die 4 Eiweiß sehr steif schlagen und vorsichtig unter diese Teig-Masse heben. Diese Marzipan-Füllung dann (auf den Marmeladen-Klecks) in die noch ungebackenen, vorgekühlten Mürbeteig-Förmchen (am besten in einem Spritzbeutel mit großer Lochtülle) geben.
  • Oder: Man kann auch gut mit 2 kl. Tee-Löffelchen die Förmchen bis zum Rand hin sorgsam füllen.

Die Fertigstellung

Auf die Oberfläche der Törtchen nun gleichmäßig (über Kreuz) die – schon vorher mit Eigelb bestrichenen – „Lerchenstreifen“ legen, den Rand vorsichtig mit einer Messerspitze an die Förmchen-Rundungen gut fest andrücken, damit sie sich beim Backen nicht lösen.


Die „Lerchen-Förmchen“ auf einen Backrost stellen und im vorgeheizten Backofen bei 180 Grad auf der 2. Schiene von unten 30 Minuten backen.


Die Glasur

Die Aprikosenkonfitüre mit 2 El Wasser bei mittlerer Hitze unter Rühren – in einem kl. Topf auf dem Herd – ganz kurz aufkochen, dann durch ein Sieb streichen. Die Lerchen aus dem Ofen nehmen, kurz abkühlen lassen und aus den Förmchen stürzen. Mit der flüssigen, noch warmen Konfitüre nur die Oberfläche dünn bepinseln und diese mindestens 30 Minuten komplett antrocknen lassen, danach kühl stellen.


Ausgekühlt ist das Gebäck mindestens 3-4 Tage in einer Gebäckdose kühl aufbewahrt haltbar. Man kann sie auch gut (luftdicht verschlossen) einfrieren.


GEFAHR:

NUR: Der verführerische Duft beim Backen zieht jeden sofort magisch an…so dass ratz-fatz die Köstlichkeiten wenig später rätselhafterweise plötzlich alle verschwunden sind…und keiner weiß wohin? Wo sind sie geblieben… die Leipziger Lerchen? Sicher sind sie davongeflogen… 😉


  • TIPP:
  • Falls noch etwas Mürbeteig und Füllung übrig bleiben:
  • Kürzlich habe ich – weil Teig-Reste und noch Füllung übrig blieben – davon ein einziges, größeres „Leipziger-Tortelette“ gebacken:
  • Die typischen Lerchen-Kreuzbänder blieben natürlich auch auf der Oberfläche als kl. Dekor erhalten. (Siehe Foto hier)

LEIPZIGER-LERCHEN-TORTELETTE
wenn etwas übrig bleibt –
Gebacken aus den Resten des Original Leipziger – Lerchen -Teiges und der Füllung.


Als das typische Leipziger Gebäck ging die „Leipziger Lerche“ also in die Geschichte der Stadt ein.


Sag mir – wo die Lerchen sind…?

Derzeit sind viele Singvögel in Gefahr: NABU fordert unbedingt mehr Artenschutz und meint: Die Feldlerche, der Spatz und der Kibitz seien derzeit extrem vom Aussterben bedroht. NABU fordert vor allem ein aktiveres Handeln der Politik im Kampf gegen das schlimme Artensterben unserer heimischen Vogelarten.


Ich habe leider schon lange keine Lerche mehr singen gehört... übrigens auch keine Nachtigall… wo sind sie geblieben?

Da klingt es doch ganz plötzlich -wie im Geiste an mein Ohr: „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche„… eine wunderschöne zu Herzen gehende „Romeo und Julia“ – Theater-Inszenierung sollte man sich nicht entgehen lassen… Damals gab es sie noch… die Lerche… und die Nachtigall…


“Ach, Du willst schon fort? Es ist noch längst nicht Tag:
Es war die Nachtigall und nicht die Lerche, die deinem Ohr ins bange Innre drang;
Sie singt bei Nacht auf dem Granatbaum dort: Geliebter glaub’s, es war die Nachtigall.”

(Dieses Zitat stammt aus Shakespeares »Romeo und Julia« – 3. Akt, 5. Szene / Julia.
Original engl. „It was the Nightingale, and not the Larke“ … © William Shakespeare)


Natürlich war es die Lerche und zwar mit ziemlicher Sicherheit eine „Leipziger Lerche“, die da so schön für Romeo und Julia sang. 😉

Die meisten Lerchen ziehen nämlich zum Überwintern in den Mittelmeerraum… Na? Wohl nach …Verona? Da hatte sicher damals schon eine Lerche in Verona im schönen Innenhof der „Casa di Giulietta“ auf dem Granatbaum dort – gemütlich übernachtet.


Die Lerchen 


Welch ein Schwirren, welch ein Flug?

Sei willkommen, Lerchenzug!

Jene streift der Wiese Saum,

Diese rauschet durch den Baum.

Manche schwingt sich himmelan,

Jauchzend auf der lichten Bahn

Eine, voll von Liedes-Lust,

Flattert hier in meiner Brust.

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(Gedicht: Ludwig Uhland (1787-1862) 
Er war ein bekannter deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler, Jurist und Politiker).


TIRILLI…

  • Die Feldlerche ist eine wunderbare Sängerin. Steigt sie steil nach oben auf, so scheint ihr Gesang direkt aus dem Himmel zu kommen. Seit jeher freuen sich Menschen über den fröhlichen, tirillierenden, beschwingten Gesang der Feldlerchen. Es klingt wie „pirriit“ oder „pirrili“…

Da verwundert es nicht, dass unser Himmelsvogel als Symbol der Heiterkeit und des munteren Liedes gilt – nicht nur bei uns. „Sie singt wie eine Lerche“, sagen die Italiener etwa über ein heiteres und sangeslustiges Mädchen. Franzosen loben gar mit dieser Metapher ein ganz besonderes Gesangstalent.

BESCHWINGTER SÄNGER:
Wo sind die Lerchen hingeflogen, die sonst den jungen Tag begrüßen? Hoch schweben sie am Himmelsbogen, vom Morgenlüftchen wach geküsst: Es floss ein Regen süßer Lieder – herab auf die beglückte Welt – und alle Herzen tönten wieder, und jedes fühlte sich als Held.“  – Gedicht: © Robert Eduard Prutz (1816 – 1872), deutscher Publizist, Lyriker und Romancier.


Spatz – Sperling, Nachtigall oder Lerche...

Kleiner Ausflug in die Artenkunde…
WHO IS WHO?

Feldlerchen sind mittelgroße, schlanke Lerchen mit recht langen Flügeln, einer beim Männchen aufstellbaren leichten Haube, kräftigem Schnabel und relativ langen Schwanzfedern.
Maße – Länge: Meistens sind die Männchen deutlich größer als die Weibchen
.
Größe/Länge: Feldlerche: 18 – 19 cm, Gewicht: Feldlerche: 17 – 55 g (Wikipedia)


Die liebe Großfamilie

Jeder kennt ihn und hat ihn oft schon gehört: Den „Spatz“. Kaum jemand in der Vogelwelt ist so bekannt wie dieser kleine Singvogel, der auch zu der Familie der Sperlinge und Lerchen gehört. Seine Gesanges-Künste sind aber eher bescheiden, da sind seine Artgenossen – die Lerchen- doch recht virtuos… und singen jubilierend in den allerschönsten Trillertönen um die Wette…

  • Die LERCHEN gehören – wie auch die Nachtigallen zu der artenreichen Familie der bekannten Sperlinge.
  • Die Familie umfasst mehr als 90 verschiedene Arten.
  • Der Gesang vieler Sperlings-Arten ist wunderbar melodiös und wird mit großer Vehemenz von „Ansitzwarten“ in Bodennähe oder aber im hohen „Sing-Flug“ vorgetragen.
  • Auf dem Boden hüpfen Lerchen nicht, sondern sie laufen… und das recht flink.
  • Sie nisten auf dem Boden und legen zwei bis sechs gefleckte Eier.
  • Die Tiere sind meist unauffällig und nicht nach Geschlechtern unterschiedlich gefärbt.
  • Sie ernähren sich von Sämereien und Insekten.

ES BLEIBT ALLES IN DER FAMILIE:
Plauderstündchen: OB SPATZ ODER SPERLING…
Der Spatz ist ein „Haussperling“ sagt Wiki…

Nur der „Feldsperling“ hat eine dunkle eckige Markierung am Hals … 
Seine schokoladenbraune Kappe ist einzigartig und mit seinem weißen Halsband und den weißen Wangen mit schwarzen Fleck hebt sich der Sperling deutlich von seinem Verwandten dem Spatz klar ab...meint Wiki.


Das Lerchenlied

Der Tag bringt seine Sorgen,
mich lässt es unbeschwert,
das macht, ich hab am Morgen
die Lerchen singen gehört.

Es klang so süß und labend,
rief Mut und Hoffen wach.
Den Tag lang bis zum Abend
klingt’s mir im Herzen nach.


Auszug aus einem Gedicht von © Johannes Trojan (1837-1915),
deutscher Humorist, Dichter und Redakteur des »Kladderadatsch«.


Es war die Nachtigall und nicht die Lerche…


Die Nachtigall ist auch eine Vogelart
aus der Ordnung der Sperlingsvögel…
Der Name geht wahrscheinlich auf ein westgermanisches Wort nahtagalōn mit der Bedeutung „Nachtsängerin“ zurück.

Die Nachtigall ist also dem Namen nach eine „Nachtsängerin“ … siehe Etymologie (Wortherkunft). Der Gesang der Nachtigall ist melodienreich, wohltönend und recht laut und wird von Menschen als sehr angenehm und schön empfunden. In den Volkstraditionen kündigt die Nachtigall mit ihrem betörenden Gesang den nahen Frühling an, sie ist der Vogel des Monats Mai, aber auch und besonders ein Symbol der Liebe.

Eine ausgewachsene Nachtigall misst vom Schnabel bis zur Schwanzspitze etwa 16,5 cm, ist also etwa so groß wie ein Haussperling (Passer domesticus) und wiegt 18 bis 27 Gramm…


Die kleine Nachtigall (Luscinia megarhynchos)

Es singen nur die Männchen. Nachtigallmännchen erlernen ihren „flötenartigen“ Gesang während der frühen Jugend von benachbarten Artgenossen und beherrschen zwischen 120 und 260 unterschiedliche Strophentypen, die meistens zwei bis vier Sekunden lang sind. Das extrem umfangreiche Repertoire ist damit unter den europäischen Singvögeln fast einzigartig... sagt WIKI. Wissenswertes findet man hierüber ausführlicher unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Nachtigall.


Berühmte Namen

Berühmte Personalie mit dem Nach-Namen Nachtigall war FLORENCE NIGHTINGALE (1820-1910): Sie war eine britische Krankenschwester, Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege und einflussreiche Reformerin des Sanitätswesens und der Gesundheitsfürsorge in Großbritannien und später Britisch-Indien. Wissenswertes bei: Wikipedia

Anm.: Nachtigall: In der griechischen Mythologie findet sich die Nachtigall (griechisch Ἀηδών, Nachtigall):
Im griech. Mythus ist „Aëdon“ die Tochter des Pandareos von Milet und die Gemahlin des Zethos von Theben, Mutter des Itylos. Neidisch auf den Kinderreichtum ihrer Schwägerin Niobe will sie deren ältesten Sohn ermorden, tötet aber versehentlich ihr eigenes Kind. Zeus verwandelt die Verzweifelnde daraufhin in die Nachtigall, die ihren Sohn mit ihren Gesängen beklagt.

TIPP: So gibt es auch ein tatsächlich sehr anrührendes Märchen von Oscar Wilde:Die Nachtigall und die Rose“... Es erschien 1888 in Wilde`s Prosasammlung …(fündig wird man hier beim Buchhandel z.B. bei Bü..er.de oder Am..on…u.a.)


Schön, dass ich dies aufbewahrt habe:
Großmutters altes Kochbuch
anno 1922


BLOG-ARTIKEL: „Leipziger Lerchen“
veröffentlicht am 30.08.2020
zuletzt aktualisiert
im Mai 2022.


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