GERICHTE MIT GESCHICHTE

Dibbelabbes heißt mundartlich so etwas wie „Topfkuchen“. Es ist ein im Saarland, Hunsrück, in der Eifel, im Rheinland und dem Westerwald verbreitetes, sehr beliebtes, einfaches Kartoffelgericht. In der Westpfalz, an der Mosel und im nahen Hunsrück ist es als „Schaales“ bekannt.


Hauptsach` gudd gess

 Der “Dibbelabbes” – hört sich nicht nur komisch an, er sieht auch noch für Nicht-Saarländer einfach nur wie ein ganz normaler Kartoffelauflauf mit Wurst aus. Dem Gericht gehört aber – wie vielen anderen – eigentlich auch der o. a. saarländische Leitspruch „guddgess“. Der Dibbelabbes ist ein wirklich ganz und gar „ur-saarländisches“ Kartoffelgericht, das auch wirklich recht schnell zubereitet ist und vor allem wesentlich besser schmeckt, als die Optik aussagt.

Lyoner…unsere echte saarländische Fleischwurst

Geriebene Kartoffeln, Lauch, Eier, Speck, Wurst, Gewürze – das wars auch schon…alles gut miteinander vermischt und in der Pfanne sehr knusprig gebraten. Und wie das duftet…Darauf bekomme ich direkt schon beim Beschreiben wieder Appetit. Vielleicht sind dies aber auch meine „Kindheitserinnerungen“ daran.

Meine Mutter hatte für uns Kinder dieses schnell zubereitete Gericht mindestens einmal im Monat zubereitet, obwohl sie sonst – da sie selbst aus Franken stammte – eher die fränkische Küche gewohnt war. Die Schwerpunkte der fränkischen, meist herzhaften Küche liegen vor allem auf Fleischgerichten und Knödeln. Jeder, der schon einmal in Franken war, hat bestimmt schon vom Schäufele, sauren Zipfel, Nürnberger Rostbratwurst, Sauerbraten und Co. gehört und gekostet…Backstakäs` mit Musik – ähnlich wie Handkäs`…Brotkuchen oder auch Zwiebelfladen genannt ist auch ein sehr leckeres fränkisches Gebäck, das bei dem einen oder anderen Kindheitserinnerungen hervorruft.

Eine gute, frische Gemüseküche war aber ebenso ihr Favorit…Mein Vater – als „Saarländer“ – ( geboren an der Grenze zu Elsass-Lothringen) mochte ihre „Küche“ ebenfalls und aß zudem gerne „Eintöpfe“…was wiederum typisch saarländisch ist. Er legte aber auch als Arzt sehr viel Wert auf eine gesunde Mischkost in der Familie. So gab es öfters morgens schon für alle das „echte“ Bircher-Benner-Müsli…mit frischem Obst, Nüssen etc. Sorry, ich schweife ab 😉

Ein typisches saarländisches Gericht sind übrigens auch die „Hoorische“: Das sind Kartoffelklöße, halb aus rohen, halb aus gekochten Kartoffeln mit Speckrahmsoße. Insgesamt ist also die frühere saarländische Küche eher einfach und bodenständig.


„Ich lobe eine reine, gute, ehrliche Hausspeise“.
ZITAT: Martin Luther (1483 – 1546), deutscher Theologe und Reformator

DER DIBBELABBES ist also ein beliebtes, einfaches Auflaufgericht, bei dem eine herzhafte Mischung aus Kartoffeln/Würstchen/Lauch/Zwiebeln/Gewürzen etc. (der Labbes) in einer gusseisernen Pfanne, einem Brat-Topf (dem Dibbe) oder einer (gusseisernen) „Auflaufform“ im Backofen gegart wird. Es ist ein einfaches, aber sehr schmackhaftes Gericht, bei dem wir Kinder, wenn wir aus der Schule kamen, immer ordentlich zugegriffen haben. Dazu gabs dann einen erfrischenden Endivien-Salat.

Manche mögen auch Apfelmus dazu, natürlich selbst gemacht aus Streuobstäpfeln. Und zum ganzen Gericht dazu gehört natürlich ein Bierchen! Zum Beispiel: Neufang, Becker, Karlsberg, Bruch…und einige andere mehr…die saarländische Brau-Kultur bietet traditionell eine breite Auswahl: Das Bierbrauen hat im Saarland eine lange Tradition. Unternehmen wie Bruch (Gründung 1702) und Karlsberg (Gründung 1878) sind mit die Ältesten.
Oder ist aber ein Gläschen „Saarwein“ gefällig? … von der Mosel-Saar-Ruwer?. Habe gehört, dass es sogar Saarländer gibt, die einen „Crémant“ zum Dibbelabbes trinken. Ach was…



DER DIBBELABBES

DIE KARTOFFEL…

spielt im Saarland eine tatsächlich herausragende Rolle: Ohne diese beliebte Knolle gelingt in der regionalen Saar-Küche nichts. Für den Dibbelabbes bevorzugt der Saarländer ausschließlich eine festkochende Kartoffel-Sorte,

Für die Zubereitung werden rohe Kartoffeln gerieben, mit fein gewürfelten Zwiebeln, gewürfeltem Dörrfleisch (Räucherspeck) vermischt. Ein Ring Fleischwurst „Lyoner“ darf nicht fehlen…. Dazu wird in einigen Rezepten noch ein in Milch eingeweichtes Brötchen mit den „zerklepperten“ Eiern zu einem homogenen Teig vermengt. Das Brötchen wurde bei uns zuhause weg gelassen.

Je nach Rezept wird noch Knoblauch und/oder in Ringe geschnittener Lauch hinzugegeben. Man gart traditionsgemäß den Dibbelabbes immer in einer schweren gusseisernen Pfanne auf dem Herd, wobei die Kartoffelmasse unter ständigem Wenden immer wieder mit zwei GABELN in kleine Stücke zerrissen wird. Alles wird durch das häufige Wenden sehr knusprig gebraten. Serviert wird der Dibbelabbes mit Apfelkompott oder Endiviensalat.

Im Saarland besteht ein Unterschied zwischen Dibbelabbes und Schaales in den Zutaten und der Zubereitungsart. Dibbelabbes wird dort aus Kartoffeln und Zwiebeln und Lyoner (alternativ Fleischwurst) in einer großen Pfanne gebraten.

EINE GANZ ANDERE ART DER ZUBEREITUNG: Der Schaales wird zwar auch aus Kartoffeln, Lauch und Dörrfleisch – aber ist eher ein „Kartoffelkuchen“ und wird in einem (evtl. gusseisernen) Bräter im Backofen – zubereitet.

DEUTSCHLANDWEIT:
Verwandte Gerichte sind das Pulschder im Naheraum, Dulges und Flabbes aus dem Lahn-Dill-Kreis, das Schalet aus Oberhessen, die Potthucke aus dem Sauerland, die Bröckelkließ aus dem Vogtland.

Der „Döppekooche“ ist ein Traditionsgericht aus dem nördlichen „Rheinland-Pfalz“ und südlichen „Nordrhein-Westfalen“, dessen Hauptbestandteil ebenfalls Kartoffeln sind. Es handelt sich hier aber um ein traditionelles Gericht vor allem im Monat November am „St. Martinstag„. (Wikipedia)

FEHLT NOCH EBBES? EI JOOO!
Was darf auf keinen Fall fehlen?

Die Maggi-Würze wurde am 8. Juni 1886 von Julius Maggi als preiswerter Ersatz für Fleischextrakt entwickelt. Hergestellt wird sie seither immer noch vom Unternehmen Maggi, das seit 1947 zum Nestlé-Konzern gehört. Die Zusammensetzung bleibt ein Geheimnis…

Was muss auf der Einkaufsliste eines Saarländers ganz oben stehen? MAGGI… In keinem deutschen Bundesland ist das flüssige Würzmittel so beliebt wie im Saarland. Die Saarländer nennen „ES“ einfach „Es Maggi“. UNN-WIE? …Das passt einfach zu allem: Suppen, Pfannengerichte, Aufläufen, Fleisch….wird sogar aufs Brot getropft und mit Lyoner! „Nationalspeise“ ist „Gekochtes Ei mit Maggi“ …
Im Saarland wird viel gefeiert, gut gegessen, gern getrunken – und viel gelacht: Zum Beispiel über die verfeindeten Pfälzer, über die mittlerweile befreundeten Franzosen und vor allem über sich selbst… 😉
Ei jooo...Nicht auszudenken, die „Krumbeersupp“… ohne Maggi. In keinem Bundesland ist der Verbrauch an Maggi so hoch wie im Saarland…Ach, was… ;-)

Saarländische Begrüßung in der Eisdiele:
Gundach…Unn?… Ei Jooo…Unnselbsch?
Willi…Ei – hasche schoo gehiert? Die doo mache Maggi-Eis (!!!)…Isch glaaabs net…Probiiiere dunn isch das net…
Ei wäschde was? Isch glaab awail, mer misse jezz uffherre…isch muss hämm…sonst gibts Schenn…Alla, machs gudd“… 😉


MAGGI-EIS? ES SOLL HERZHAFT LECKER SEIN

DAS MAGGI-EIS

Da ja die Saarländer auch recht kreative Köpfe sind, experimentieren sie immer wieder mit ihrem Maggi…Im Jahre 2018 brachte „Uwe Hoffmann“ in Burbach eine neue Eissorte auf den Markt – und zwar sensationell:
Eine würzige, geschmackvolle neue Sorte: Das Maggi-Eis. Die cremefarbene Kugel wird in der Waffel, aber auch im kleinen Becher mit Salzkräcker gereicht, Toppings sind Tomate, Basilikum und Liebstöckel.

„Einzelheiten will ich nicht verraten. Nur so viel: Es ist auf Fruchtbasis gemacht, ohne Sahne und Milch, nur mit Wasser“, sagt Uwe Hoffmann. Und Maggi? „Ist drin, nicht zu knapp und nicht zu viel.“ Viele Menschen kämen extra von weit her angereist, sogar ein Japaner soll dabei gewesen sein…Die unter Saarländern beliebte Würze findet sich nicht nur in Eis, sondern auch im Popcorn. So bietet ein Homburger Kino seit 2018 Maggi-Popcorn an.Ach, was… 😉


Saarländischer Dialekt?

Obwohl kein wirklicher rein saarländischer Dialekt existiert, gibt es ein breites Spektrum an Dialekten, die als typisch saarländisch angesehen werden.
Im Saarland werden meist  moselfränkische Dialekte gesprochen. „Hochdeutsch“ sprachen früher nur die Leute im Ort – die „fremd“ waren. Sie gehörten oft nicht „dazu“…das waren „Zugereiste“.
Umgangssprachlich bezeichnen viele Saarländer ihren Dialekt auch als „Platt“, häufig mit Spezifizierung des jeweiligen Ortes, zum Beispiel „Sankt Wendeler Platt“: Das habe ich schon in St. Wendel – wo ich aufgewachsen bin – „in de Grundschull gelehrt“ (gelernt!!), Damals in der Grundschule galt man als Kind als „eingebildet“, wenn man hochdeutsch sprach…man gehörte nicht dazu...Aber als Kind lernt man ja schnell…Nur bei uns zuhause wurde immer „Hochdeutsch“ gesprochen, so dass ich heute keinen „Akzent“ habe… 😉 Saarländisch „schwätze“ geht jedoch noch immer… 😉 Ei, jooo…


DIBBELABBES-REZEPT

Eine schwere, stabile Pfanne muss sein… oder eine gusseiserne Auflaufform für den Backofen.

ZUTATEN für 4 Personen:
1 ½ kg festkochende Kartoffeln, 1 dicke Scheibe Dörrfleisch, 1 Ring „Lyoner“ (Fleischwurst), 2 kleine Zwiebeln, Knoblauchzehen (nach Gusto), 1 Bund Petersilie, 2 Eier, Salz, Pfeffer, Muskat, Majoran und MAGGI (!), Butterschmalz oder Öl zum Braten.


  • Die Kartoffeln gründlich waschen, schälen und fein raspeln, anschließend in einem sauberen Geschirrtuch fest ausdrücken.
  • Zwiebeln, Knoblauch schälen und fein hacken. Das Dörrfleisch (= geräucherter (mager durchwachsener) Bauchspeck) fein würfeln.
  • Lauch putzen und in Ringe schneiden. Petersilie waschen, putzen, fein hacken.
  • Zuerst das Dörrfleisch in einer großen Pfanne in etwas Öl anbraten. Die Fleischwurst (Lyoner) in Würfel oder Scheiben schneiden und ebenfalls in der Bratpfanne kurz mit anrösten.
  • Die Kartoffel-Zwiebel-Mischung dazugeben und alles gut miteinander mischen.
    Alles in einer großen Schüssel mit den „zerklepperten“ Eiern und den Gewürzen (Maggi!!) innig vermengen, kräftig abschmecken!

    DANN GEHTS AB… IN DE DIBBE:
  • Der Dibbelabbes sollte nun bei mittlerer Hitze ca. 20-30 Minuten in einer (evtl. gusseisener) großen, schweren Bratpfanne oder Bräter (die mit Butterschmalz oder Öl erhitzt wurde) mit Deckel garen. Die Kartoffelmischung muss zunächst gut an den Pfannen-Boden fest angedrückt werden, damit es später schöne Krusten gibt. Das Gargut muss unbedingt immer wieder zwischendurch öfters gewendet werden. Danach das Bratgut erneut an den Boden fest andrücken.
  • Gegen „Ende“ der Bratzeit dann den Dibbelabbes mit zwei Gabeln „zerrupfen“ und unter Zugabe starker Hitze und mehrmaligem Wenden die Unterseite knuspriger anbraten. Je nach Bedarf zwischendurch etwas Öl zugeben und immer schön warten, bis sich eine kräftige, goldene Kruste am Boden gebildet hat. Sie darf natürlich nicht zu dunkel werden…Zum Schluss die feingehackte Petersilie untermischen. Nach einer halben Stunde ist das Essen fertig... Dazu passt am besten ein Kopfsalat oder Endivien.

BON APPETIT…oder Schmeckt`s? Ei Joooh..

Dazu passt bestens ein schöner, frisch angemachter, leckerer Endivien oder Frisée-SalatMutters schnelles Rezept: 1 Becher Schmand, 1 Tl scharfer Senf, 1 El Öl, 1 El. Essig (meine Mutter nahm immer den saarländischen „Melfor-Essig“), Salz, Pfeffer, Prise Zucker...fäddisch 😉

BLOG-ARTIKEL „DIBBELABBES und Kurioses“ veröffentlicht am 15. Juli 2020