GERICHTE MIT GESCHICHTE:
Omas Linzer Torte: Rezept aus ihrem Original Bayrischen Kochbuch“.

Unser heimliches Lieblings-Rezept wurde überliefert von meiner Großmutter „Christina Röcking“ (1892 -1981) aus Aschaffenburg. Diese Linzertorte ist auch von meiner Mutter regelmäßig zuhause für uns Kinder zubereitet worden. Das alte „Bayerische Kochbuch“ meiner Großmutter hatte die original-oesterreichischen Zutaten schon damals etwas verändert, meine Oma ebenfalls nach ihrem Geschmack, daher ist IHRE Linzertorte keine Original-Linzer-Torte aus Oesterreich…sondern Omas „bayrische“ Linzertorte, die wir schon als Kinder liebten!
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Zutaten für den Teig: 200 g Mehl, ½ Tl. Backpulver, 300 g feingemahlene, ungeschälte Mandeln, 220 g Butter (kalt), 150 g Zucker, 1 Prise Salz, 1/2 TL gemahlener Zimt, 1 Prise Nelkenpulver, etwas Muskat, evtl. 3-4 Tropfen Rumaroma, 2 Eier, „etwas“ (ca. 1 Tl.) Rahm, Bio-Zitronenschalenabrieb (meine eigene Extra-Zutat). Für den Belag: Puderzucker, 350 g (1 Glas) Himbeerkonfitüre für den Boden-Belag (oder Himbeer-Gelee, falls man die „Kerne“ nicht mag). Manch einer mischt noch etwas Himbeergeist unter die Konfitüre, wir lassen dies weg.

Zubehör: Springform: 26er oder besser 28er Form, „Kuchenrädchen“, Backpinsel.



Vorbereitung“: Die 2 Eier trennen (2 Eigelbe: jedes einzeln aufheben, das eine Eigelb mit etwas Rahm vermischen, beiseitestellen, das andere kommt (mit dem Zitronenschalenabrieb) in den Teig. 1 Eiweiß (verquirlt) aufbewahren für späteres Bestreichen der Linzerstreifen. Die Bio-Zitronenschale abreiben.


Zubereitung“ für den Mürbeteig: Das fein gesiebte Mehl mit den gemahlenen Mandeln, Zitronenschale, Zucker, Salz und den Gewürzen in einer Schüssel gut vermischen. Die eiskalte Butter in kleine Stücke schneiden und zusammen mit dem Eigelb zur Mischung geben. Sofort alles mit den Händen (oder Küchenmaschine) fein zerbröseln. Die Teigmischung mit dem Knethaken der Küchenmaschine oder des Handrührgerätes (oder mit den Händen – wie meine Oma -) gut (aber nicht zu lange) verkneten.

Im Rezept heißt es: Den Teig zu einer Kugel formen: 2/3 davon in der gefetteten oder mit Backpapier ausgelegten Spring-Form ausrollen, einen 3 cm hohem Rand ziehen und mehrmals den gesamten Teig mit einer Gabel (den Boden und den Rand) einstechen. (Omas Trick: Den Teig nicht als Kugel kühlen, da man diesen kalten „Klumpen“ später schlecht ausrollen kann, also den „weichen“ Teig vorher schon sehr gut in der Form verteilen). Die komplette Kuchen-Form mit dem Teigboden (oben mit Folie gut bedeckt) dann während mindestens 3 Stunden oder über Nacht im Kühlschrank ruhen lassen.

Teig in Form geben

Fürs „Gittermuster“ kann man auch die Teigstreifen vorher ebenfalls schon komplett ausradeln und nebeneinander (mit Folie abgedeckt) auf ein leicht bemehltes Brett gelegt, kühl stellen. Dann geht der „Zusammenbau der Linzer“ später dann ruckzuck am nächsten Tag. (Omas Trick!).

Traditionelle Linzer Torte

Später dann den Teigboden in der Kuchenform und die Streifen aus der Kühlung nehmen. Den Backofen auf 180°C vorheizen. Die schön glattgerührte Konfitüre auf dem Teigboden gleichmäßig verteilen. Fürs Gittermuster die gekühlten, schon fertig ausgeradelten Teigstreifen benutzen ODER frisch: Den restlichen (noch leicht gekühlten) Teig 1 cm dick ausrollen und in Streifen radeln und diese dann auf der Konfitüre (gitterförmig) schön „gleichmäßig“ auslegen. Am Außen-Rand die restlichen geradelten Teigstreifen mit etwas verquirltem Eiweiß „festkleben“. Mit dem Gabelrücken (Zinken) ein hübsches Streifen-Muster auf den Kuchen-Rand drücken. Mit dem (mit etwas Rahm verquirltem) Eigelb nun nur noch die Teig-Streifen und den Rand (nicht die Marmelade (!) das sieht später unschön aus) bepinseln. Die Linzer Torte in der Ofenmitte während ca. 20 – 30 Minuten backen. TIPP: darauf achten, dass die Oberfläche nicht zu dunkel wird. Evtl. mit Oberfläche abdecken. Herausnehmen und ganz auskühlen lassen.

https://markgraeflerin.files.wordpress.com/2018/12/Linzertorte-1.jpg

Die erkaltete Linzer Torte (ohne Form) gut mit Folie o.ä. abdecken, damit sie nicht austrocknet und an einem kühlen Ort vor dem Servieren 3 bis 4 Tage ruhen lassen, so ziehen die Gewürze gut durch und sie schmeckt…himmlisch. Vor dem Servieren dann alles gleichmäßig schön mit Puderzucker bestäuben.


ES WEIHNACHTET SEHR: LINZER-TORTE MIT STERNEN? ALLES IST AN WEIHNACHTEN MÖGLICH!

VARIATIONEN ALS TARTELETTES“:
Gleiche Teig-Zutaten wie oben für ca. 12 „Tarte-Förmchen“ (z.B.: Ø 10-12cm, evtl. mit Hebeboden): Statt einer runden Linzer-Torte habe ich auch kleine runde Tarteletts mit diesem Rezept gebacken. Die Förmchen gut einfetten und evtl. etwas „bebröseln“ (mit ein paar Semmelbröseln oder fein gem. Nüssen bestreuen). Gut 2/3 des Teiges ausrollen und in die einzelnen gefetteten/bemehlten Förmchen „einbetten“. Den Teig etwas andrücken und jeweils einen ca. 1 cm hohen Rand formen. Teigboden/-rand mehrmals mit der Gabel einstechen und abgedeckt anschließend in den Kühlschrank stellen.  Marmelade in einer Schüssel glattrühren und nicht zu dick auf die Böden verteilen. Rest-Teig im Gittermuster – wie oben beschrieben – dekorieren.

TIPP: statt des Gittermusters kann man auch nette Ausstechförmchen (Sternchen-Herzchen etc.) verwenden und diese Teigstückchen zum Schluss oben auf die Marmelade legen, mit Eigelb bestreichen etc. „Backofen auf 175°C bei Ober-Unterhitze“ zirka 10 min. vorheizen.

Die Törtchen vor dem Backen mindestens eine halbe Stunde im Kühlschrank kühlen. Anschließend im vorgeheizten Backofen nur 15-20 Minuten goldbraun backen. Das Gebäck lässt sich ebenfalls gut verpackt einfrieren!


VARIATIONEN ALS LINZER PLÄTZCHEN:

Meine Großmutter hatte „für Besuch“ immer eine Blechdose in der Küche parat (damals gabs noch „Speisekammern“!), wo sie ihre Dose „Linzerkuchen-Schnitten“ kühl aufbewahrte, diese hielten sich dort recht lange frisch… Übrigens lässt sich der Kuchen auch sehr gut tiefkühlen und bei Zimmertemperatur auftauen. Vor dem Servieren frisch mit Puderzucker bestreuen.

“Was sind aller Dichter Worte gegen eine Linzer Torte!” (Zitat: Ernst von Wildenbruch)

WISSENSWERTES VON WIKIPEDIA: Torten mit ähnlichen Zutaten und Erscheinungsbild sind bereits aus dem römischen Reich bekannt. Das älteste überlieferte Linzerkuchen-Rezept stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es ist damit das vermutlich älteste bekannte Tortenrezept der Welt.

Man befand, dass ein Rezept von 1696 (überliefert aus einem Kochbuch einer italienischen Gräfin aus Verona) in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek das Älteste aufgezeichnete sei. Oft wird jedoch auch „Johann Konrad Vogel“ (1796–1883) genannt. Er wanderte nach LINZ aus, stammte aber ursprünglich aus Mittelfranken: der Heimat meiner Großmutter! Er heiratete 1823 in Linz eine „Zuckerbäckerin“: Er war wohl nicht der „Erfinder“ der Linzer Torte, aber machte sie durch Massenproduktion und Versand populär. Als „süßer Gruß“ wird sie seit der Biedermeierzeit vor allem aus der oberoesterreichischen Donaustadt Linz in alle Herren Länder verschickt.
Bereits im Jahr 1856 wurde das Rezept der „Linzer Torte“ von einem Linzer Auswanderer, dem Maler, Dichter, Komponisten und Dirigenten Franz Hölzlhuber sogar schon nach Amerika gebracht.

Omas Teig wird in „Oesterreich“ auch „Brauner Linzer-Teig“ genannt: Er ist mürbeteigähnlich mit ungeschälten Mandeln und „dunklen“ Gewürzen. Daneben wird aber auch noch eine dressierfähige „Linzer Masse“ verwendet (mit einer Marzipan- bzw. weißen Mandel-Nussmasse, die mit Zimt und Zitrone abgeschmeckt wird) oder einen sog. weißen Linzer-Teig (ohne Nüsse)…Varianten gibt es zahlreich! Es lebe die Vielfalt!
Heutzutage gehört die LINZER TORTE in Deutschland auch zur regionalen, landestypischen Küche in Südbaden, denn große Teile des Landes gehörten bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu Vorderösterreich. Hier wird sie traditionell mit Himbeermarmelade (wie bei Oma) gefüllt: Im Gegensatz zu Oesterreich, wo man traditionellRibiselmarmelade(Konfitüre aus Roten Johannisbeeren) benutzt.

LINZER-TORTE? …Alle Torten machen glücklich…sagt man.


Die Torte
Ein Mensch kriegt eine schöne Torte,
drauf steh’n in Zuckerguss die Worte:
»Zum heutgen Geburtstag Glück!«
Der Mensch isst selber nicht ein Stück,
doch muss er in gewaltgen Keilen,
das Wunderwerk ringsum verteilen.
Nicht nur das »Glück«, das »heu«,
der »Tag« verschwindet,
und als er nachts die Torte findet,
da ist der Text nur mehr ganz kurz.
Er lautet nämlich nur noch: … »burts« …
Der Mensch, zur Freude jäh entschlossen,
hat diesen Rest vergnügt genossen.

GEDICHT: Eugen Roth (1895-1976) war deutscher Lyriker und populärer Dichter meist humoristischer Verse.


EIN GLÜCKLICHES JAHR 2020 WÜNSCHT EUCH ULLA G.